Später waren zwei andere Herren, die sich Malch und Wendt genannt, in Aktion getreten. Der große Preis hatte die arglose Dame verführt, sehr rasch ohne mit ihrem damals im Ausland befindlichen Sohne in Verbindung zu treten, abzuschließen. Sie hatte ihn durch den glücklichen Erfolg überraschen wollen, ein Erfolg, der sich allerdings als ein äußerst trauriger Irrtum insofern herausgestellt hatte, als sich die Industriepapiere, die sie neben der kleinen Auszahlungssumme von den Käufern in barem Gelde empfangen, als völlig unverkäuflich, also wertlos herausgestellt hatten.
Reue, Scham und Schmerz hatten sie nach der Entdeckung abgehalten, ihrem Alfred — nunmehr aus diesen andern Gründen, — Mitteilung zu machen, bis er dann aus dem Ausland zurückgekehrt und nichts mehr zu verschleiern gewesen war. Das Gut war seit dem damaligen Verkauf schon wieder dreimal in andere Hände übergegangen. Die als Käufer um jene Zeit genannten Personen waren, da sie sich falscher Namen bedient, nicht mehr zu ermitteln gewesen, und nur ihr Aussehen hatte Frau von Klamm ihrem Sohne immer wieder beschreiben, nur die Namen ihm mitteilen können.
Der Verdacht, der in Klamm aufgestiegen war, hatte sich zur Gewißheit verstärkt, weil Theodor, wie erwähnt, ein äußerst unsicheres Wesen bei der Nennung des Namens Klamm an den Tag gelegt hatte. —
Das Ergebnis dieser an diesem Morgen angestellten Untersuchung verlief völlig nach Voraussetzung. Es gelang Klamm und seiner Mutter, Theodor Knoop, als er aus dem Hotel trat, genügend in Augenschein zu nehmen, und Frau von Klamm vermochte mit unbedingter Sicherheit festzustellen, daß er mit jenem Agenten identisch sei.
Nun konnte Klamm Friedrich Knoops Anstandsgefühl anrufen, wenigstens einen Teil der Veruntreuungen, die sein Bruder an seiner Mutter und an ihm verübt, zurückzuerstatten.
Bei näherer Ueberlegung hatte er sich gesagt, daß es ein übertriebenes Zartgefühl sei, nicht wenigstens den Versuch zu machen, das Ehrgefühl des Bruders anzusprechen.
Im übrigen war Klamms Sinn schwer verdüstert. Ileisas Verhalten hatte — abgesehen von der ungeheuren Enttäuschung — einen gewaltigen Aufruhr in ihm hervorgerufen. Immer wieder hefteten sich die Folgen der Verleumdung an seine Fersen!
Der Austritt aus dem Knoopschen Geschäft würde ihm — wie anderweitige
Erfahrung in solchen Fällen lehrte, — überall zu seinen Ungunsten
ausgelegt werden, und endlich stand er wiederum vor einer leeren
Luftschicht und sollte sich aus dem Nichts Neues herausholen.
Das Selbstvertrauen, das er seiner Mutter und Knoop gegenüber an den Tag gelegt, war in Wirklichkeit stark beeinträchtigt, und erst allmählich entwickelte sich aus dem Unmut, dem Schmerz, der Verbitterung und Enttäuschung, der Entschluß, seinerseits jeden Gedanken an das spröde Mädchen völlig von sich abzuthun und in Zukunft nur seinen Zielen und Erfolgen zu leben!
Zunächst nahm er sich vor, gleich am nächsten Tage nach Dresden zu reisen, bei der Frau, die er einst geliebt, einen Eingang zu ermöglichen und sie auszuforschen. Es hatte sich seiner ein solches Gefühl trotziger Auflehnung bemächtigt, daß er die Ermittlungen der Berliner Polizei nicht abwarten wollte. Vielleicht vermochte er die Maßnahmen der Behörde zu unterstützen, vielleicht ohne sie zum Ziele zu gelangen. Jedenfalls wollte er aus dem bisherigen Zustande des Abwartens heraus! — — —