„Ah, bah, mein Freund! Was hast du auf die Rücksichten zu üben! Sie nahmen dich auf, und du warst ihnen überaus nützlich! Dann gaben sie dir den Laufpaß. Also ignoriere sie fortan. Zudem gehören sie ja gar nicht zur Gesellschaft, kommen also nicht in Betracht. Und das kleine Mädchen, das es so geschickt begonnen hatte, dich zu fangen, deren dann folgende Sprödigkeit nur darauf berechnet war, dich nur noch fester zu binden, lasse erst ganz aus dem Spiel!“

Klamm hatte nichts erwidert, aber grade ihre Bemerkungen hatten ihn wenig angemutet.

Adelgunde besitze, — so sagte er sich — nicht die erhabene Seele, nach der er verlangte. Sie war viel zu sehr Aristokratin und zu sehr verwöhnt, um sich in die Lage der bebürdeten Mitmenschen, und in ihre völlig gleichberechtigten Anforderungen an das Dasein, hineinzuversetzen. Sie beurteilte die Dinge nur richtig und immer nur nachsichtig, sofern sie in ihren Ideenkreis paßten.

Jene göttliche, der gesamten Menschheit zugewendete Anteilnahme, jene Beschränkungsfähigkeit, jene echte Weiblichkeit, die er an eine Frau seiner Wahl stellte, besaß sie nicht.

Und im Zusammenhang mit ihren Aeußerungen über Knoops und Ileisa, die zugleich ihre Eifersucht gegen das junge Mädchen bekundeten, stieg in Klamm die Erinnerung auf, was sie ihm aus dieser Eifersucht angethan hatte!

Auf solche „Gedanken“ geriet nicht einmal ein vornehmer Mensch, viel weniger führte er sie aus. Und endlich und zulegt! Das sah er schon jetzt:

Nicht nur keinen Vorschub würde sie seinem Schaffensdrang leisten, vielmehr ihn zu hindern suchen. Er würde — wenn er nicht die erforderliche Energie entwickelte — nun doch der Müßiggang treibende Mann einer reichen Frau werden!

Schon jetzt begriff Klamm nicht, daß er je hatte glauben können, daß sie sich in bürgerliche Verhältnisse würde hineinfinden, daß sie gar die Gattin eines Geschäftsmannes würde sein wollen. Sie konnte dem Auslugen nach vornehmem Verkehr nicht entsagen, ihre Genußsucht, ihren Ehrgeiz nicht einschränken! Sie hatte anfangs zu allem ja gesprochen, aber sie hatte sich gleich dabei selbst zugeflüstert, daß sie es schon verstehen werde, die Dinge nach ihrem Gefallen zu lenken.

Etwas Ausgleich fand Alfred von Klamm in seinem Innern durch das Urteil, das seine Mutter über Adelgunde fällte.

Sie sagte ihm: