Statt zu antworten, stellte Ileisa die eben schon erhobene Theetasse wieder auf den Tisch, veränderte ihre Miene und ließ gedankenvoll das Haupt sinken.

„Ja, ja, Tante — wenn er —“

Dabei löste sich gleichsam als Befreiung versteckten Schmerzes ein langer Seufzer aus ihrer Brust.

„Also du interessiertest dich wirklich ernsthafter für ihn? Du liebtest ihn, meine liebe Ileisa? Ja! Ja! Ich hab' mir's gedacht, ohne daß du mir davon gesprochen hast,“ fiel die alte Dame teilnehmend ein.

„Hatte es einen Sinn und Wert, Tante? Er hatte und war nichts — und was da so plötzlich zum Vorschein gelangte und geschah — ließ mich ja zweifeln, ob er überhaupt ein wirklich vertrauenswerter Mann sei —

„Und nun ist ja auch alles aus, und nichts mehr zu ändern.“

„Gewiß, mein Kind, und sollte sich Herr Arthur Knoop für dich entscheiden, prüfe dich zwar erst, aber dann sei nicht spröde, dann sage nicht nein. Ich halte es für möglich, daß du, grade du ihn sanfter, weicher zu machen verstehen wirst. Und wenn dir das gelingt, so hast du ja auch das, was du jetzt noch an ihm entbehrst. Im übrigen, mein Kind. Es ist eine Thorheit, wenn die jungen Mädchen den Veilchen nachahmen, und eher in demutvoller Bescheidenheit verblühen, als die Augen einmal aufschlagen wollen.

„Wie der Mann, so hat auch die Frau die Pflicht und Aufgabe, die sich für ihr Fortkommen bietenden Gelegenheiten wahrzunehmen. Ein Mädchen ist wirklich nicht unweiblich, wenn sie sich vorhält, daß ohne Entgegenkommen überhaupt im Leben kein Bündnis geschlossen wird!

„Gewiß! Sitte und keinerlei Abweichung von der Tugend! Aber den ihr von Gott verliehenen Verband soll jede Kreatur gebrauchen! Kein Mensch zahlt uns Frauen etwas dafür, daß wir aus lauter sittsamer Prüderie alte Jungfern werden. Im Gegenteil: Wenn wir's geworden, verhöhnt man uns noch dazu!“

Die alte Dame sprach's und seufzte auf.