„Allerdings, oft mit bitterem Unrecht,“ fuhr sie fort. „Man kann sein
Glück auch aus Pflichtdrang für andere verpassen — wie es mir geschah. —
Wie! Was? — Du siehst schon nach der Uhr? Ist's schon so weit, mein
süßes Kind? Nein, nein, ich will dich nicht aufhalten —!

„Wart', ich helfe dir — — Still, Mopsi — still — still! — — Wie meinst du? — Gewiß, ich komme gern, und daß sie mich gar in ihrem Wagen nach Hause bringen wollen, ist ja äußerst liebenswürdig!

„Grüße und danke. — Adieu! Adieu! Auf Wiedersehen, mein liebes Kind!“ —

* * * * *

Acht Tage nach dem vordem Geschilderten hatte Arthur vormittags eine sehr wichtige Beratung mit dem Oberfaktor. Verschiedene größere Firmen in Berlin waren von der zuständigen Behörde aufgefordert worden, Offerten einzureichen. Es handelte sich um die für die allgemeine Volkszählung im Deutschen Reich erforderlichen Zählformulare, deren Ausführung einer mindest bietenden Buchdruckerei übertragen werden sollte. Arthur überlegte mit dem Faktor schon seit Stunden. Die Kosten für das Papier und die gesamte übrige Herstellung wurden wiederholt überschlagen, aber auch Erwägungen angestellt, ob das ungeheure Quantum in der vorgeschriebenen Zeit fertig gestellt werden, ob der jedenfalls mit sehr gedrückten Preisen hervortretenden Konkurrenz so begegnet werden könne, daß ein Nutzen überhaupt zu erzielen sei.

Von großem Vorteil würde es sein, wenn in Erfahrung zu bringen wäre, welche Offerten eine andere, im wesentlichen in Betracht kommende Firma, nämlich die Hohensteinsche Buchdruckerei mache. Sie war die einzige, die bezüglich der gesamten Einrichtungen Gleiches und mehr schaffen und zu mäßigen Sätzen herzustellen vermochte, als das Knoopsche Geschäft.

Während sich noch Arthur und der Faktor unterhielten, zwischendurch Anfragen von Eintretenden beantworteten, auch den sich ihnen zugesellenden Herrn Knoop eben mit der Erklärung beruhigt hatten, daß sich selbst bei dem von ihnen erwogenen Minimalpreis noch ein sehr schöner Nutzen herausstellen werde, trat nach dessen Fortgang Theodor Knoop mit sehr beschäftigter Miene ins Kontor.

Arthur streckte ihm mitten im Redefluß, kurz nickend, die Hand entgegen und warf, als Theodor fragte, ob heute morgen etwas zu besorgen sei, erst nachsinnend und dann von einer praktischen Idee erfaßt, in einem belebten Ton hin:

„Hm — ja. Allerdings!“ Dabei gellte er sich gegen das Pult, zog erst noch vorm Weitersprechen das Cigaretten-Etui hervor, entzündete mit gewohnter Schnelligkeit eine Diubek und stieß den Rauch durch die Nase. Dann ergänzte er, während er die Linke in die Beinkleidertasche schob:

„Könntest du vielleicht an den Faktor der Hohensteinschen Buchdruckerei herankommen und ihn ausforschen, welche Offerte — sie für die Zählkarten einreichen! Da wäre was für dich und für andere zu verdienen.“