„Bitten Sie doch Ihr Fräulein Nichte, mich morgen vormittag etwa um diese Zeit hier in meinem Kontor zu besuchen. Ich kann ihr vielleicht, ohne daß wir eine Anzeige erlassen, dienlich sein!

„Wenn aber nicht, so will ich Ihren Wunsch erfüllen! Ich werde die
Annonce wiederholt in Zwischenräumen ohne Kosten für Sie, aufnehmen.“

„O, sehr, sehr gütig, Herr Eigentümer,“ stieß die alte Dame, glücklich überrascht, heraus. „Nehmen Sie innigsten Dank! Und Ileisa wird Ihrem Wunsch genau nachkommen. Ich werde sie selbst herführen.“

„O, nein, nein! Das ist ja nicht nötig, mein Fräulein. Was wollen Sie sich bemühen“ — fiel Herr Knoop, höflich bestimmt, ein und erwartete, daß die Antragstellern erfreut zustimmen würde. Aber es geschah nicht, es malte sich vielmehr in ihren Zügen eine mißtrauische Enttäuschung.

Auch sprach sie mit starker Betonung:

„Meine Nichte macht stets nur in meiner Begleitung Besuche bei Herren.
Sie ist so erzogen —“

„Gut denn — gu — ut denn!“ bestätigte Herr Knoop, sich in die Wünsche der Alten fügend, mit einem überlegenen Lächeln.

„Wenn Sie Furcht haben, es könne Ihrem Fräulein Nichte etwas geschehen.
— Oder — oder — jawohl — jawohl — daß es eben passender für eine junge
Dame ist —: Völlig einverstanden! Also um zehn Uhr oder später, wie es
Ihnen gefällt. Bis zwölf Uhr bin ich in meinem Kontor!“

So sprach Herr Knoop. Die Alte aber, die nichts erwidert hatte, wandte sich während des Fortgehens noch einmal um, ergriff seine Hand und sagte zartfühlend:

„Verzeihen Sie, wenn ich — wenn ich — Es war ja so nicht gemeint! — Und nochmals innigsten Dank.“