„Mein Name ist Charlotte von Oderkranz. Ich lebe von einer kleinen
Fideikommiß-Einnahme und habe noch eine Nichte zu ernähren.

„Sie hat ihr Lehrerin-Examen gemacht und sucht eine Stellung als
Gouvernante oder im Fall als Gesellschafterin.

„Hier, bitte, Herr Zeitungseigentümer, ihre Photographie!“

Während dieser Worte nestelte sie den Beutel auf, und zog das Bild eines jungen, ungewöhnlich schönen Mädchens hervor.

Herr Knoop hatte die Antragstellern schon ersuchen wollen, von Einzelheiten abzusehen — seine Zeit sei gemessen — aber sein Blick wurde doch von dieser Photographie allzusehr gefesselt.

„Und was soll ich thun?“ nahm Herr Knoop, schon unwillkürlich zuvorkommender im Ton, das Wort.

„Ja, ich möchte, da wir in unseren Mitteln sehr beschränkt sind, bitten, — bitten, daß Sie diese Annonce einigemal in den Täglichen Nachrichten zu einem ermäßigten Preise aufzunehmen die Güte hätten. Das ist's, das ist's! Wir haben sie auch möglichst kurz gefaßt. — Bitte, möchten Sie sie einmal lesen, Herr Eigentümer?“

„Ein junges Mädchen aus angesehenem Hause, mit Lehrerinnen-Zeugnissen versehen, und mit allen Hausarbeiten vertraut, besonders musikalisch, wünscht eine Stellung als Gouvernante, Repräsentationsdame oder Gesellschafterin. Offerten an die Expedition der Täglichen Nachrichten unter Ch.v.O.“

Während Herr Knoop den Inhalt studierte, fiel ihm ein, daß es seit lange seiner Tochter Margaretes höchster Wunsch war, eine derartige Gefährtin zu besitzen.

Infolgedessen sagte er, kurz entschlossen: