Ihrem Befehl und meiner Zusage entsprechend, verfehle ich nicht, Ihnen heute Nachgehendes ganz gehorsamst zu melden:

Ich sende voraus, daß mich unliebsame Zwischenfälle und Abhaltungen zögern ließen, Ihnen früher Bericht zu erstatten. Ich fürchte, und noch jetzt stehe ich unter diesem Eindruck, daß Ihnen entweder mein Schreiben vorenthalten werden würde oder daß sein Inhalt Ihnen eine schädliche Aufregung bringen könnte.

Ich muß aber mein Bedenken niederschlagen wegen der eingetretenen Umstände und gebe mich der Hoffnung hin, daß ich für alle Beteiligten das Richtige erwähle, wenn ich meine Zeilen an Sie absende. Ich befinde mich zudem in einem Zustande des Zweifels, der mich solchergestalt bedrückt, daß ich gleichzeitig auch um meinetwillen Ihnen die Verhältnisse darlegen muß.

Als Sie, gnädiger Herr, C. verließen, trat ich gewissermaßen in Ihre
Dienste, und Sie nahmen mir das Wort ab, in dieser Stellung nur das
Beste für meine Herrschaft, die gräfliche Familie, im Auge zu behalten.
Sie gaben mir genaue Instruktionen und banden mich durch mein Wort, daß
unser eigentliches Verhältnis, wenn es mir gestattet sein darf, diesen
Ausdruck zu gebrauchen, ein Geheimnis zwischen uns bleibe.

Unter den Gesichtspunkten, unter denen Sie mich mit Ihrem Vertrauen beehrten, glaubte ich nicht nur nichts Unrechtes zu thun, sondern gerade wie ein gewissenhafter Freund gegen die gräfliche Familie zu handeln.

Ich nehme mir die Freiheit, dies zu rekapitulieren, weil die eingetretenen Umstände entweder neue Instruktionen erforderlich machen oder ich meines Wortes entbunden werden muß.

Wenn ich nun zunächst über die Vorgänge seit dem Tode des Herrn Grafen zu berichten mir gestatte, so bitte ich von vornherein zu verzeihen, daß ich Dinge berühre, über die auszulassen, mir im Grunde nicht beikommt. Aber nur durch Erwähnung dieser werden Sie, gnädiger Herr, einen richtigen Einblick in die gegenwärtige Lage gewinnen und mir zweckmäßige Befehle erteilen können.

In meinen ersten beiden Schreiben hatte ich die Ehre zu melden, daß der Herr Graf ohne Zweifel durch tödlich starke Dosen Morphium und Chloral seinem Leben selbst ein Ende gemacht habe.

Sodann berichtete ich, daß das Bankhaus die Zahlungen an uns eingestellt. Ich weiß nicht, ob Ihnen das zweite Schreiben zugegangen ist. Die Frau Gräfin befanden sich in einem sehr traurigen Zustande, der zwischen heftigem Schmerz und Ausbrüchen des Vorwurfs gegen den verstorbenen Herrn Grafen und mich selbst wechselte. Den Höhepunkt erreichte die Erregung der Frau Gräfin, als ich—ich bitte, mich deshalb nicht zu verdammen—derselben Mitteilung machen mußte, wie die gegenwärtige Vermögenslage sei, und welche Stellung Sie, gnädiger Herr, zu dieser bereits eingenommen hätten.

Frau Gräfin befahlen mir zu sprechen; ich stand bei Stillschweigen vor der Wahl einer falschen Beurteilung, Ungnade und Entlassung.