„Und Steuern?“ fragte Teut und konnte sich des Lächelns nicht erwehren, weil er wie ein Beichtvater alle Vergehen aus dem armen Sünder herausholte.

„Die habe ich gar nicht erwähnt! Davon hat die Frau Gräfin keine Ahnung.
Ich fing den Steuerboten ab und—“

„Und drohten ihm mit allen Folterqualen der Hölle, wenn er noch einmal erscheine?“ schaltete Teut mit gutmütigem Spotte ein.

„Ja, Herr Baron, Sie können wohl scherzen.“ sagte Tibet, nun wieder von dem Ernst und der Verantwortlichkeit seiner Aufgabe erfaßt. „Aber Sie mögen mir glauben, daß die Dinge sich nicht so freundlich abspielen werden, wenn die Frau Gräfin jemals erfahren sollte, was wir gethan haben.“

Teut trank seinen Wein und wollte, um einer aufsteigenden Empfindung
Herr zu werden, die Stiefelhacken zusammenschlagen. Aber es war nur eine
Bewegung. Mit einem leisen Anflug von Schmerz hielt er inne. Nicht ohne
Grund! Das eine, das linke Bein fehlte, er hatte es im Kriege eingebüßt.

„Aber die Kinder?“ fragte Teut nach einer Pause. „Wie geht's denen?
Entwickeln sie sich gut? Sind sie fleißig?“

Tibet nickte. „Gewiß, gnädiger Herr! Wir helfen beide, die Frau Gräfin und ich, bei den Schularbeiten.“

„Ist die kleine Ange hübsch geworden, Tibet? Sie versprach sehr schön zu werden!“

Tibet betätigte lebhaft. „Ange ist ein sehr schönes Kind, gnädiger Herr, und so klug, daß es mich oft fast ängstlich macht. In der kurzen Zeit von einem halben Jahre spielt sie schon kleine Stücke auf dem Klavier und ist so sicher dabei, daß man erstaunen muß.“

„So, so! Wer unterrichtet sie denn?“