„Die Frau Gräfin selbst, Herr Baron! Jeden Nachmittag erhält Ange Unterricht von der Frau Gräfin, und Erna und Jorinde müssen ebenfalls täglich bei ihr üben. Sie machen alle gute Fortschritte.“
Teut machte eine Bewegung, er murmelte auch etwas vor sich hin, das
Tibet nicht verstand. „Wie ist denn Eure Tageseinteilung, Tibet? Die
Frau Gräfin muß ja sehr in Anspruch genommen sein. Sie hat doch Mädchen
zur Hilfe?“
„Nur eins, Herr Baron! Aber die wurde uns gleich schwer krank und mußte wochenlang das Bett hüten. Da hat die Frau Gräfin selbst morgens Kaffee gemacht, die Stuben geräumt, die Kinder angezogen und in die Schule befördert. Die Frau Gräfin ist überhaupt von morgens früh bis abends spät unausgesetzt in der Wirtschaft und um die Kinder beschäftigt.“
Teut murmelte wieder etwas.
„Ah! herrliches Weib!“ glaubte Tibet zu hören.
„Und Sie, Tibet?“ fragte Teut dann kurz und mit einem scheinbaren
Vorwurf, während in sein Auge ein silbernes Pünktlein trat.
„Ich, ich?“ erwiderte Tibet arglos und verlegen zugleich. „Ich habe morgens alle die Stiefel geputzt, die—die—gröbere Arbeit in den Schlafstuben besorgt und der Kinder Betten gemacht und—und auch gekocht während der Zeit. Kochen kann die Frau Gräfin nicht; aber sie lernt es schon ganz gut. Neulich hatten wir zwei Gerichte, die sie ganz allein zubereitet hatte. Ihre Augen glänzten, als es den Kindern so gut schmeckte. Die Frau Gräfin war so glücklich, daß sie im Zimmer herumtanzte.“
„Aber Freund!“ schaltete Teut scheinbar tadelnd ein. „Weshalb haben Sie denn damals nicht eine Hilfe genommen?“
„Die Frau Gräfin wollte es durchaus nicht, gnädiger Herr! Sie meinte, es sei der beste Weg, alles zu lernen. Freilich, ich folgte auch nichts thun—aber ich habe sie sogar überrascht und in einer Nacht mit Hilfe einer Frau die Wäsche besorgt. Die Alte hat die Garderobengegenstände vorgenommen, ich machte mich an Servietten und Tischzeug. Gegen Morgen haben wir aufgehängt, jeder sein Teil.“
„Allen Respekt!“ murmelte Teut, trank in hastigen Zügen und schenkte von neuem aus der Flasche ein. „In der That, über alles Lob erhaben! Aber das muß doch anders werden!“ Und nach einer Pause: „Wenn ich nur einen Weg wüßte—“