Tibet hatte nur halb gehört, aber doch genug, um zu verstehen. Er nahm sich, in der Sorge um seine Herrin, die Erlaubnis einzufallen, und sagte:
„Wenn der Herr Baron mir gestatten wollten, einen Vorschlag zu machen?“
Teut bewegte den stolzen Kopf und sagte in seiner kurzen, unhöflich klingenden Weise:
„Nun, was soll's?“
Tibet ward durch diesen Ton eingeschüchtert. Er fürchtete, sich eine
Vertraulichkeit angemaßt zu haben, die ihm nicht zukam. Takt und
Vorsicht riefen ihm zu, sich in den bisherigen Grenzen zu halten. Er
entgegnete deshalb rasch:
„O, es war doch nichts, gnädiger Herr—“
Teut blickte auf und sah, daß Tibet mit dem Ausdruck einer gewissen
Enttäuschung vor ihm saß. Er verstand und bereute seine Schroffheit.
Ohne auf den Gegenstand zurückzukommen, dessen Berührung von jener Seite ihm nach den wunderbaren seelischen Schwankungen, denen jeder, selbst der beste und vorurteilsfreiere Mensch, unterworfen ist, plötzlich widerstrebt hatte, sagte er:
„Eine Angelegenheit will ich doch heute gleich berühren, Tibet. Mein
Zustand verhinderte mich, Ihnen das bisher zu schreiben:
Vom Ersten des nächsten Monats sind Sie bei mir für Lebenszeit als Sekretär engagiert. Es werden Ihnen monatlich dreihundert Mark von meinem Rendanten ausbezahlt werden. Alle Ihre Auslagen seit vorigem Jahr werden Sie mir baldigst aufgeben, und auch das Honorar für die verflossene Zeit werde ich ordnen. Sind Sie damit einverstanden, Tibet?“