„Ganz recht, ganz recht! So, so!“ sagte der Alte, und nach kurzer Pause fuhr er fort: „Wenn ich Ihnen irgendwie behilflich sein könnte, Frau Gräfin—recht gern, mit größtem Vergnügen!“
Die Gesellschafterin war noch nicht zurückgekehrt. Diese freundlichen Worte ermutigten Ange. Nun, so konnte es denn sein! Plötzlich war sie wieder voller Hoffnungen.
„Ich danke Ihnen sehr, Herr Putz. Ich wollte auch noch in einer anderen
Sache Ihren Rat oder vielmehr Ihre Hilfe erbitten.“
„Bitte, bitte, Frau Gräfin!“ Der Alte war immer neugierig. Das Gespräch hatte schon etwas geschleppt, nun ward es wieder anziehend.
„Also, Herr Nachbar, ich möchte Sie fragen, ob Sie mir wohl zwölfhundert Mark würden leihen wollen, die ich nach und nach abzahlen könnte. Ich, ich—“ Ange stockte.
„Bitte, Frau Gräfin!“ Putz wollte alles hören. Es fiel ihm nicht ein, auf dergleichen Dinge einzugehen, aber hören wollte er. Anges Vertrauen wuchs.
„Ich habe,“ fuhr sie geläufiger fort, „eine einzige alte Schuld, die mich zwar nicht drückt, durchaus nicht drückt—ich meine, derentwegen ich nicht gedrängt werde, die ich aber aus anderen Gründen—“
„Hm, ich begreife,“ sagte Putz. Und als Ange nicht gleich fortfuhr, fügte er, seine Neugierde nur schlecht unterdrückend, hinzu: „Von einem Verwandten wahrscheinlich?“
„Nein, nicht von einem Verwandten; ich habe überhaupt nicht einen einzigen Verwandten auf der Welt, weder von seiten meiner Eltern noch von seiten meines Gatten.“ Wie unvorsichtig war diese Offenherzigkeit! Ange sah es ein—zu spät. Ihr war plötzlich, als ob sie Olga von Ink gegenübersäße, und all ihre Hoffnungen sanken in einen tiefen Brunnen. „Ich habe das Geld von—von—“ Nun stand Ange sogar vor dem Namen; sie sollte vor diesem Menschen Teuts Namen aussprechen! Wohin war sie geraten! Sie suchte und griff in ihrer Ratlosigkeit zu einer Unwahrheit, vielleicht zum erstenmal in ihrem Leben, wo es sich um ernste Dinge handelte. „Von Herrn Tibet,“ platzte sie heraus.
„Ah so!“ sagte Putz, offenbar aufs höchste überrascht, und zog die Augenbrauen über die listigen Augen. „Von Herrn Tibet? Er ist fort, nicht wahr? Kehrt er überhaupt nicht zu Ihnen zurück?“