Ange bereute, was sie gesagt; wie bereute sie überhaupt jetzt, daß sie gesprochen! Es wurde ihr klar, daß der Mann nur seine Neugierde befriedigen wolle und daß der Gegenstand ihn nicht im geringsten interessiere.
Sie war nun auf demselben Punkt angelangt, von dem sie in richtiger Erkenntnis ausgegangen. Sie hatte endlich wirklich die Enttäuschung, nach der sie verlangt hatte.
„Nein, er kehrt nicht zurück,“ sagte sie kurz abweisend. „Aber, um wieder auf die Sache zu kommen: wie ist es, Herr Putz, würden Sie mir die Hand bieten?“
Auskosten mußte Ange die Enttäuschung bis auf den Grund.
„Ich kann nicht, Frau Gräfin, mit dem besten Willen kann ich nicht!
Aber—Sie gestatten, daß ich ein freundschaftliches Wort hinzufüge und
meine Ansicht ausspreche. So sehr ich begreife, daß man seinem
Dienstboten kein Geld schuldig bleiben möchte—“
Ange unterbrach den Sprechenden und sagte stolz: „Sie gebrauchten den Ausdruck Dienstbote! Das ist durchaus nicht zutreffend! Tibet war der Sekretär und Bevollmächtigte meines Gatten und zugleich Haushofmeister in unserem früheren großen Hauswesen. Er folgte mir aus Freundschaft, nachdem meine Lage sich verändert hatte.“
„Ah, ah, ganz wohl! Dann steht die Sache ja sehr günstig. Erlauben Sie einem erfahrenen Mann, Frau Gräfin! Selbst wenn ich Ihnen dienen könnte, würde ich mir den Vorschlag erlauben, daß Sie dort Stundung erbitten und lieber den alten Gläubiger behalten, trotz etwaiger Peinlichkeiten. Geld ist Geld! Wer's giebt, will Sicherheit, und—und—“
„Sie haben recht!“ fiel Ange fast übereilig ein. „Sprechen wir nicht weiter davon! Nur eins zu meiner Rechtfertigung! Ich ging davon aus, daß es Ihnen nicht unbequem sein werde, und da völlige Sicherheit in meiner Person liegt—“
„Natürlich, natürlich, Frau Gräfin! Ich würde Ihnen das Geld auf bloßen
Schuldschein geben—selbstverständlich!“
* * * * *