Er stand auf und schloß die Thür. Ange graute bei diesen Vorbereitungen.

„Zuerst, liebe Freundin—bitte, setzen Sie sich doch mir gegenüber, dort in den Fauteuil“ (sie that es schmollend und zerpflückte eine spät erblühte weiße Rose, deren Blätter sie auf den Teppich fallen ließ)—„ein sehr ernstes Wort! Ich habe mit Clairefort gesprochen; es ist, wie er sagt. Sie besitzen heute nur einen Teil Ihres beiderseitigen Vermögens.“

Er hielt einen Augenblick inne und beobachtete die Wirkung seiner Worte.

„Und wie ist dies zugegangen?“ fragte Ange mehr neugierig als erschrocken.

„Ein Banquier, bei dem Clairefort seine Papiere niedergelegt hatte, mußte seine Zahlungen einstellen. Es ging dort alles verloren.“

„Der arme, arme Clairefort! Ist er sehr betrübt?“ hob sie besorgt an. Sie forschte ängstlich in Teuts Angesicht; sie dachte nur an ihren Mann, wie er die Sache aufgenommen, in welcher Stimmung er sei. Ob sie gehen solle, um ihn zu trösten, ihm zu sagen, daß sie auch fortan sparsamer sein wolle. Es bliebe dann gewiß noch genug, schloß sie.

„Ja, das ist es. Nun sehen Sie doch ein, daß Sie ganz anders leben
müssen, daß Sie den großen, überflüssigen Hausstand einschränken, die
Kinder regelmäßig in die Schule schicken und sich sorgsamer um Ihre
Wirtschaft bekümmern müssen!“ sagte Teut ernst.

Sie nickte wie ein Kind, das gescholten wird, das voll guter Vorsätze ist, zerknirscht anhört, was es verbrochen hat, bis Natur und Freiheit, bis Spiel und Tändelei alles wieder verwischen.

„Das erste wird sein, daß wir auch Tibet ins Vertrauen ziehen. Wir
werden überlegen müssen, wer von der Dienerschaft bleiben kann, welche
Ausgaben überflüssig sind, wie die Geselligkeit zu beschränken, wie
Fuhrwerk und Pferde drunten—“

„Meine himmlischen Pferde auch?“ rief Ange „Und gar die Hunde? Müssen
wir ein anderes Haus, eine andere Wohnung beziehen? Ach, Teut, sagen
Sie, ist's denn so schlimm? Besitzen wir nichts, gar nichts mehr?
Sprechen Sie ein Trostwort!“