„Nicht schelten!“ bettelte sie und sah ihn mit ihrem bezaubernden Blicke an. „Aber doch ernsthaft raten! Sehen Sie, liebster Teut, das ist mein bestes Kleid, und darin kann ich doch den Ball nicht besuchen, nicht wahr?“

Allerdings: das Kleid war unverantwortlich behandelt. Die Spitzen, mit denen man es besetzt hatte, waren zerrissen; die Schleppe war besudelt, an der Taille fehlten Knöpfe. Im übrigen war der Stoff eine mit anmutigen Blumenbouquets durchwirkte weiße Seide, einer Königin würdig.

„Man könnte die Robe einer geschickten Schneiderin übergeben, sie mit neuen Spitzen garnieren und säubern lassen,“ sagte Teut phlegmatisch. Er war selbst erstaunt über den Umfang seiner Kenntnisse und über seine praktischen Ratschläge.

„Nein, nein!“ sagte Ange, als ob es sich um ein Puppenkostüm handle. „Hier ist ja sogar ein großes Loch!“ und sie zeigte ihm den Rock, in welchem übrigens nur die Naht hinten seitlich eingerissen war.

„Kann genäht werden!“ entschied Teut mit seiner stoischen Ruhe.

„Ach, mit Ihnen über Toilette sprechen! Kommen Sie, Teut! Wir haben wundervolle Melonen erhalten. Der Frühstückstisch ist gedeckt.“

„Nein,“ sagte er, „erst muß ich Sie sprechen. Heute ist die erste
Lektion.“

Sie sah ihn mit ihrem naiven Blick an, dann glitt ein ungeduldiger
Ausdruck über ihr Gesicht.

„Wieder eine Waldpredigt! Nein, heute mag ich nicht; weshalb quälen Sie mich! Ach, wie war ich sonst glücklich! Nun stehen Sie neben mir wie ein Schulmeister; ich bin doch kein Kind mehr!“

„Doch, ja,“ sagte Teut kurz. Und dann weicher: „Sie sind ein Kind, ein liebes, reizvolles Kind. Aber nun kommen Sie! Lassen Sie uns noch einmal reden!“