Statt zu antworten, sah Tibet Teut einen Augenblick mit höchster Befremdung an. „Ja, ich verehre die Frau Gräfin wie niemand sonst.“ Die zweite Frage überging er.

„Gut. So dachte ich. Aber zu mir haben Sie wenig Vertrauen, Tibet, nicht wahr?“ lächelte Teut.

„Ich verstehe nicht, Herr Baron.“ Tibet schlug verlegen die Augen zu
Boden.

„Sie verstehen recht gut. Sprechen wir einmal offen miteinander.“

Tibet stand noch immer mit der Puppe in der Hand, die wie gelähmt Arme und Beine hängen ließ. Wenn man diesen großen, hageren, ernsthaft dreinschauenden Mann in der dunklen Kleidung so dastehen sah, mußte man unwillkürlich lächeln.

Als Teut die letzten Worte sprach, überfiel Tibet—man sah es deutlich—ein starkes Unbehagen. Zuletzt malten sich eine gewisse Abwehr, ja Trotz in seinen Mienen.

„Also, Tibet,“ fuhr Teut unbekümmert fort, „ohne Umschweife! Hier im Hause ist nicht alles, wie es sein soll. Die Gräfin weiß keine Wirtschaft zu führen, der Graf leidet darunter—nicht nur in seiner Schatulle. Sie wissen das alles.—Das muß anders werden. Beide wünschen es auch, aber die Gräfin versteht es nicht zu ändern, und den Grafen halten andere Gründe zurück. Ich möchte bei Zeiten etwas verhindern, was sonst unabänderlich scheint. Wollen Sie mir helfen?“

„Ich?“ fragte Tibet kurz, starrköpfig und fast aus der Rolle des Untergebenen fallend. „Ich bin ein Diener! Wie dürfte ich wagen, mich in die Angelegenheiten meiner Herrschaft zu mischen?“

„Sie sind kein Diener hier im Hause, sondern ein Freund, zudem ein
braver, ehrlicher Mann, Tibet. Versprechen Sie mir, um dieser
Freundschaft willen, die Sie für die Familie hegen, mein treuer
Verbündeter zu werden!“

Einige Augenblicke stand Tibet unbeweglich; die Puppe war jetzt so tief herabgesunken, daß die kleinen lackledernen Schuhe mit Kreuzbändern den Fußboden berührten. Endlich sagte er aufschauend: