„Herr Baron, ich will es mir überlegen. Ich danke Ihnen für Ihre gute
Meinung. Gestatten Sie mir indessen jetzt—Ah, da kommen die
Herrschaften bereits!“
Und offenbar erleichtert und mit einer entschuldigenden Bewegung eilte er ans Fenster, guckte rasch hier- und dorthin und entfernte sich endlich, alle Siebensachen unter den Arm raffend, durch die nach dem Ausgang führende Thür.
Teut sah nach der Uhr. Es war Tischzeit geworden und für seine Absichten somit zu spät. Während er noch zauderte, trat Clairefort von der entgegengesetzten Seite in den Salon, blickte überrascht auf, als er Teut in dem Stuhl sitzend fand, schritt förmlich auf ihn zu und sagte gezwungen:
„Ah, ich glaubte Sie erst heut abend erwarten zu dürfen! Aber wenn es Ihnen gefällig ist—Zugleich meinen Dank für Ihre Artigkeit. Ich wäre natürlich zu Ihnen—“
„Bitte, bitte!“ erwiderte Teut in seiner kurzen Weise. „Ich bin ja Ihr täglicher Gast! Weshalb wollten Sie sich zu mir bemühen? Ich stehe also ganz zu Ihrer Verfügung.“
Mit diesen Worten machte er einige Schritte, Clairefort zu folgen. Aber zu gleicher Zeit öffnete sich auch die Thür und Ange, in einem reizenden Promenadenkostüm, das goldene Haar rückwärts in zwei nachlässige Knoten geschlungen, die Wangen von der kalten Luft sanft gerötet, das Gesicht ganz umrahmt von einem kleinen, rosaseidenen Hütchen, trat rasch und lebhaft ins Zimmer. Ihr folgte die Schar ihrer Engel, eins schöner; graziöser und vornehmer als das andere. In der That ein entzückender Anblick.
Des Grafen nicht achtend, ganz beschäftigt mit dem Bilde, das sich ihm bot, eilte ihr Teut entgegen, und sie begrüßten sich mit einer Herzlichkeit, als ob sie eine lange Zeit getrennt gewesen wären.
Aber in demselben Augenblick und während die Kinder Teut jubelnd umringten, veränderten sich Anges Züge und erhielten einen furchtsamen Ausdruck.
Da stand der Graf, finster, bleich, und biß sich auf die Lippen. Da stand er, der Herr des Hauses und weder Frau noch Kinder näherten sich ihm. Aber alle umringten ihn—ihn, den Hausfreund, dem auch er sein größtes Vertrauen geschenkt und den er doch in diesem Augenblick mehr haßte als den Tod.
„Wartet mit dem Essen!“ sagte Clairefort, seinen Unmut schlecht verbergend, und machte eine Bewegung gegen Teut, ihm zu folgen. Letzterer sah noch Anges erbleichendes Gesicht und warf ihr einen beruhigenden Blick zu. Dann schloß sich hinter beiden Männern die Thür.