Klara stand einen Augenblick leichenblaß. Ihre Augen füllten sich mit
Thränen des Zorns, und ihr Gesicht glühte vor Erregung.

Die Gesellschaft nahm nach einem kurzen Spaziergang, dessen Ziel ein hübsches Wäldchen gewesen war, das Abendessen auf einer Terrasse ein, welche einen zu dem Wirtshause gehörenden Garten begrenzte. Links- und rechtsseitig von derselben zog sich die Landstraße hin, und geradezu schaute man auf den Fluß.

Es war in der That ein außerordentlich schöner Punkt. Langsam zogen, von der Abenddämmerung schon halb verschlungen, große Segelfahrzeuge vorüber, die, aus der Flut geheimnisvoll auftauchend, einem Traumbilde anzugehören, nicht aber die Vermittler harten Tagewerkes zu sein schienen.

Aber drüben sah man auf der stahlgrauen, vom zarten, rötlichen Abendsonnenschein umrahmten Wasserfläche die größeren Segelfahrzeuge wie abgelöst von der spiegelstillen Flut, und die zwischen ihnen hin- und herirrenden kleineren Böte erhöhten durch den Gegensatz die majestätische Ruhe ihrer Erscheinung.

Im Nachtschlaf ruhten schon die Wälder, von drüben erscholl friedlicher Gesang, mitunter ertönte auch ein helles Hallo über das Wasser; und vom jenseitigen Ufer, an dem die glitzernden Lichter der Wirtshäuser aufblitzten, drang einmal leise Militärmusik herüber.

Und über all diesem: über der silbernen Stahlflut, über den stummen
Gebüschen, über den traumselig dahingleitenden Fahrzeugen, über den
Menschen mit ihren ernsten oder sorglosen Gedanken, schwamm der Mond am
blaudunklen Himmel und sandte sein weltdurchleuchtendes, geisterhaftes
Licht herab.

Im ganzen weiten Umkreis eine einzige gewaltige, schneeweiße Wolke mit Riesenfangarmen und Flügeln, unmittelbar über der Mondscheibe schwebend, gebannt, unbeweglich, gleichsam im Schönheitszauber erstarrt.

Teut stand an dem Rande der Brüstung und überschaute die Landschaft. Auch die übrigen hatten sich erhoben, denn nun rasselte es über der nahen Brücke, und in überschnellem Lauf flog ein Wagen dahin. Deutlich waren Menschen und Dinge noch erkennbar.

Und dann plötzlich erscholl aus Kindermund der laute und jubelnde Ruf: „Onkel Axel! Onkel Axel!“ und aus dem vorübereilenden Wagen winkten Händchen, und eine schöne junge Frau, die den Wagen lenkte, nickte lebhaft, und neigte, die Gesellschaft bemerkend, mit verlegener Artigkeit das Haupt. Es war Ange, die, von einem ihrer Ausflüge heimkehrend, jetzt rasch nach Hause drängte.

Wie sie so dasaß mit dem vornehmen, auf den feinen Schultern ruhenden Kopf, umweht von dem weißen Schleier, der in die Abendluft hinausflatterte, so leicht und graziös in der Erscheinung und doch so fest und sicher die Zügel der raschen und ungeduldigen Pferde regierend, mußte sie die Blicke der Menschen fesseln. In wenigen Sekunden jedoch war sie den Nachschauenden entschwunden, und unwillkürlich wandten sich aller Augen auf Teut.