Es gab wohl niemanden in der Gesellschaft, den nicht der gleiche Gedanke beherrschte, und einer von ihnen gab diesem auch Ausdruck. Es war der Assessor, der mit zudringlicher Vertraulichkeit an Teut herantrat und leicht hinwarf:
„Da war ja Ihre kleine, entzückende Gräfin, Herr Rittmeister—“
Aber er sprach nicht aus, denn Teut wandte sich mit seinem starkknochigen Gnugesicht zu ihm, und indem er den Sprechenden mit einem Blicke musterte, vor dem jener unwillkürlich den seinigen zu Boden senkte, sagte er mit schneidender Zurückweisung:
„Da war die Frau Gräfin Ange von Clairefort, mein Herr! Der von Ihnen beliebte Ausdruck war respektwidrig und äußerst unpassend! Sie werden die Güte haben, sich dies für kommende Fälle zu merken!“
Und dann drehte er dem gemaßregelten Assessor den Rücken und ging auf
Klara von Ink zu, mit der er sich, ohne die übrige Gesellschaft für den
Rest des Abends sonderlich zu beachten, ausschließlich beschäftigte.
Auch bot er, den Augenblick erspähend, wo Olga einen Platz neben Baron von Zirp wählte, jener seinen Wagen an und kutschierte, seinen Reitknecht hinter sich, eilend in die Stadt zurück. Seine Verabschiedung von Inks war überaus höflich, aber förmlich. Auch lehnte es Teut ab, an diesem Abend der Aufforderung seiner Kameraden zum weiteren Beisammenbleiben zu folgen.
Als der Wächter die Morgenstunde abrief, saß er, die Hand an die Stirn
gestützt, noch immer grübeln in seinem juchtenduftenden Arbeitszimmer.
Ein wilder Kampf von Empfindungen, der in seiner Brust tobte, raubte ihm
Ruhe und Schlaf.
* * * * *
Ange ward, als sie dem Wagen entstieg und ihre kleine Schar von der Dienerschaft herabgehoben wurde, von dem ernsten Ausdruck überrascht, der sich in Tibets dienen widerspiegelte. Er stand, wie immer, wenn sie zurückkehrte, vorn auf dem Treppenausbau der Villa und öffnete ehrerbietig die Thür.
„Was ist?“ fragte sie ängstlich und hieß ihn durch ihre lebhaften
Gebärden rascher sprechen, als es seine Gewohnheit war.