„Ach, der Arme!“ sagte Ange mitleidig. „Gewiß hatte er wieder seine furchtbaren Schmerzen. Und meinen Sie, daß er schläft, daß keine Gefahr vorhanden ist, Tibet?“
„Nein, Frau Gräfin, dürfen sich beruhigen.“
Nach dieser Versicherung traten beide ins Wohngemach.
„Glauben Sie nicht,“ fragte Ange nach einer Pause und dämpfte ihre Stimme, „daß diese starken Schlafmittel sehr schädliche Nachwirkungen haben?“
„Ja, Frau Gräfin,“ erwiderte Tibet; „aber viel schlimmer sind noch—“
Er unterbrach sich mit einem Gesichtsausdruck, als ob das letzte Wort ihm nur entschlüpft sei.
Als Ange sah, daß ihr etwas verheimlicht werden sollte, stieg ihre
Angst.
„Nicht doch, nicht doch! Sie wollen mir etwas verschweigen. Ich will und muß es aber wissen. Ach Tibet! War es überhaupt gut, daß Sie nie mitteilsam gegen mich waren? Wer weiß, ob nicht manches hier im Hause anders stände!“
Sie strich sich mit der schmalen Hand über die thränenden Augen.
„Reden Sie, ich beschwöre Sie!“ fuhr sie fort, als er noch immer schwieg. „Was ist noch schlimmer? und welche Heimlichkeiten haben Sie mit meinem Gemahl schon seit Jahren?“