Bevor sie sich zum Gehen entschloß, fragte sie nach Tibet, und nach einigem Hin- und Herreden empfing sie den Bescheid, der Inkulpat sei in Haft, und es sei nicht möglich und gestattet, ihn zu sehen oder zu sprechen.

Der Beamte, der höflich, wenn auch kurz Auskunft erteilt hatte, sah befremdet empor, als Ange, in Gedanken verloren, vor sich hinstarrte. Nun raffte sie sich auf und erklärte, in einigen Stunden wieder anfragen zu wollen.

In der Thür wandte sie sich noch einmal um. „Ich bitte, dem Herrn Kommissar bei seiner Rückkehr meine Karte übergeben zu wollen und zu melden, daß ich mich eingefunden habe.“

Der Beamte schielte auf die Adresse, nickte gleichgültig und sah auf seine Arbeit.

„Adieu!“

Dieser Gruß ward kaum erwidert. So ging Ange.

Ins Hôtel zurückgekehrt, ließ sie den Kutscher ablohnen und machte sich nach etwas Ruhe und Erholung abermals nach dem Polizeibureau auf den Weg.

Als sie nach längerem Warten endlich vorgelassen wurde, stand sie einem ernsten Mann mit forschendem Blick gegenüber, und es entspann sich ein längeres Gespräch.

„Ich komme, Herr Kommissar, wegen meines am vorgestrigen Tage verhafteten Dieners Ernst Tibet.“

„Ich habe die Ehre, die Frau Gräfin von—“ Der Beamte suchte nach Anges Namen, bat sie mit einer höflichen Bewegung, Platz zu nehmen, griff hinter sich nach einem Aktenfascikel, blätterte darin und neigte zustimmend den Kopf, als jene inzwischen das Wort „Clairefort“ selbst hinzufügte.