"Ich bin es, aber nur insofern, als ich die ungeheure Schwierigkeit erkenne, mein Vorhaben in Thaten umzusetzen. Ich möchte gern im Großen wirken und sehe, daß ich schon im Kleinen überall stolpere."
"Und was wäre, wenn die Frage gestattet ist, Ihr Ideal? Welche Absichten verfolgen Sie?"
"Ich möchte helfen, die Menge von dem Druck der allgemeinen Not zu befreien und das Los der arbeitenden Klasse gründlich zu verbessern."
"So bekennen Sie sich also auch zu den sogenannten "neuen" Ideen? Sie überraschen mich!"
"Kann ein gerechter, guter Mensch, kann ein wahrhaft christlicher Mensch anders denken, Herr Doktor?"
"Nein und ja, Komtesse. Die Ziele sind zu weit gesteckt.
Man soll nur Mögliches erstreben wollen, nur Dinge, die sich mit den
Vorgängen in der Natur decken. Wir sind ihre Produkte, sie ist unsere
Lehrerin, sie bietet uns alle Beispiele für unsere Handlungen."
"Schon einmal hörte ich fast ganz dieselben Worte. Seltsam—" Imgjor ließ das Haupt sinken und starrte träumerisch vor sich hin. Aber da in diesem Augenblick geklopft ward, wurden die Sprechenden unterbrochen.
Der Doktor richtete noch einige verbindliche Worte an Imgjor, und sie selbst lenkte, nachdem sie ihm leicht und unbefangen die Hand gereicht, ihre Schritte in einen der Siechensäle.
In diesem befanden sich Kranke, deren spezielle Sorge Imgjor übernommen hatte. Augenblicklich waren es solche, die sich bereits in der Besserung befanden. Dann schlief Imgjor in ihrer Wohnung, erschien auch nur zwei oder dreimal am Tage.