Nur in schweren Fällen blieb sie ganz im Hospital und übernahm auch die
Nachtwache. Ihr Verhältnis zum Krankenhaus war ein durchaus
freiwilliges, während die übrigen Schwestern sich streng an die
Hausvorschriften zu halten hatten.
Auf dem Korridor begegnete Imgjor der Schwester, die von ihr behauptet hatte, daß sie ihre Thätigkeit hier aufgeben wolle.
Imgjor neigte ernst das Haupt zum Gruße; jene erwiderte die Höflichkeit kalt und wollte ohne Wortaustausch vorüberschreiten.
Nun hielt Imgjor sie auf und redete sie an.
"Ich bitte, Fräulein, einen Augenblick. Ich höre soeben, daß Sie abermals eine Erfindung über mich ausgestreut haben. Ich muß wirklich sehr dringend bitten, daß Sie sich mit Ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigen. Ich schließe aus Ihrer Lästersucht eine Starke Mißgunst. Daß sie in Ihnen emporsteigt, vermögen Sie wohl nicht zu ändern, aber ich sollte meinen, Sie müßten sich äußerlich im Zaum zu halten wissen, und jedenfalls—ich wiederhole meine Worte—wünsche ich von Ihren eifersüchtigen Launen nicht ferner berührt zu werden."
"Ich eifersüchtig auf Sie?! Nun, da wären Sie wirklich die letzte, Fräulein von Lavard! Und was liegt denn vor? Mir ist erzählt, daß Sie hier keine Schwesterdienste mehr versehen wollen! Ich wüßte nicht, daß darin etwas Ehrenrühriges liegt. Sie nehmen einen Ton an, als ob ich Ihnen wunder was angethan hätte und ich muß Sie meinerseits noch dringender ersuchen, daß Sie ihn ändern. Sie sind nicht meine Vorgesetzte—"
"Sie wissen sehr gut, daß ich mit meinen Vorwürfen recht habe. Ihre Heuchelei verschlimmert nur noch das Geschehene. Sie haben mich schon wiederholt verleumdet, man hat es mir unaufgefordert, voll Empörung mitgeteilt. Schwieg' ich trotzdem, so war's die Verachtung über solches Geschwätz. Jetzt will ich aber ein Ende haben! Man könnte wirklich glauben, es sei eine Spur von Wahrheit darin. Auch gestern habe ich ein Exempel statuiert, und ich werde damit fortfahren!"
Die Züge der Schwester Elise verzogen sich hämisch.
"Sie sprechen, als ob Sie ein Oberstaatsanwalt seien. Ich sage Ihnen nochmals, daß Sie sich mit Ihrem Eifer an eine falsche Adresse wenden.
Ich habe auch besseres zu thun, als mich mit Ihnen zu beschäftigen. Ich habe andere Gegenstände für meine Gedanken, als die Komödiantin Fräulein Lavard!"