"Ah! Wie niedrig! Und Sie wollen eine Dame sein. Sie gehören zum Adel des Landes und würdigen Ihre eigene Standesgenossin herab, indem Sie ihr solche Dinge sagen, indem Sie geflissentlich sogar ihren Namen entstellen? Ich bin weder Fräulein Lavard, noch Fräulein von Lavard, sondern für Sie und jedermann Komtesse Lavard!"
"Nun dann sind Sie auch nichts Besonderes, umsoweniger, als die Spatzen von den Dächern pfeifen, daß Ihre Mutter nichts anderes war, als eine Dir—"
Aber die Schwester Elise kam nicht weiter. Blitzschnell erhob Imgjor, von Schmerz und Entrüstung übermannt, die Hand, sie zitterte für Sekunden in der Luft. Und dann standen die beiden Gegnerinnen einander gegenüber, als ob nur der Tod über das Schicksal des einen oder anderen entscheiden könne. In demselben Augenblicke aber erschien zufällig die Oberin, und die Schwester Elise stürzte so gleich auf diese zu und goß einen Schwall von Verleumdungen und lügnerischen Anschuldigungen über Imgjor und deren Benehmen aus.
Und wiederum gab Imgjor mit stolzer Ruhe Antwort und forderte nach
Erörterung des Vorgefallenen die Entfernung der Schwerer Elise.
Anderfalls werde sie gehen!
"Ich darf Sie ersuchen, ins Konferenzzimmer zu treten. Wir werden dort weiter und in Ruhe reden! Ich muß erst klarer in der Sache sehen, ehe ich meine Entscheidung treffe, Komtesse Lavard!" entgegnete die Oberin, die nichts lieber wünschte, als daß die ihr sehr unbequeme Imgjor, die keinerlei Mängel durchgehen ließ, vielmehr stets Unregelmäßigkeiten und Pflichtversäumnisse zur Anzeige brachte, das Krankenhaus verließ.
"Warum noch reden!" betonte Imgjor kalt. "Es unterliegt doch keinem
Zweifel, wer ein Recht hat, sich zu beklagen!
Ich muß darauf bestehen, daß endlich die Sumpfquellen verstopft werden, aus denen die Verleumdungen gegen mich fließen.—Klagen über Fräulein Elise erheben sich von allen Seiten und auch in anderer Richtung.—
Anfangs der Woche hat sie der Witwe Romö, aus bloßer persönlicher
Antipathie, die Hilfe verweigert. Es wäre wohl nicht so schlimm, hat sie
gesagt! Die arme Person hat einen bedenklichen Rückfall davon bekommen!
Sind solche Vorkommnisse in einem Krankenhaus erhört?"
"Nun ja, nun ja—es soll alles untersucht werden. Im übrigen will ich niemanden hindern, seinen Weg zu gehen—" stieß, statt auf diese Rede einzulenken, die Oberin äußerst gereizt heraus. "Ich darf Sie also nicht erwarten, Komtesse?"
"Nein! Ich muß darauf verzichten, Frau Oberin—" entgegnete Imgjor, verbeugte sich gemessen, und ging, ohne die giftsprühende Schwester Elise eines Blickes zu würdigen, von dannen.—