"Weshalb fragst du?" stieß sie heraus.
"Nun, wie man eben fragt. Aus keinem besonderen Grunde—"
Und da er sah, daß ihre Wangen eine leichte Blässe überzogen hatte, erhob er das Champagnerglas, stieß mit ihr an und fuhr neckend, mit zärtlichem Ausdruck fort:
"Also auch meine stolze Königin kann eifersüchtig werden!? Dann sind wir also quitt, meine liebe, wunderschöne Lucile Lavard!"
* * * * *
Eine Lavardsche Equipage hatte eben Imgjor—es war halb drei Uhr morgens—vor dem Hause das sie seit ihrem Kopenhagener Aufenthalt bewohnte, abgesetzt. Stumm und ehrerbietig war Robert seiner früheren jungen Herrin beim Aussteigen behilflich gewesen, und nun schleppte sich das junge Mädchen, die Brust voll von den widerstreitendsten Empfindungen, die Treppe hinauf.
Der Prinz und Curbière hatten wiederholt mit ihr getanzt und sich beide außerordentlich eingehend mit ihr beschäftigt.
Der Prinz war ein Mann von Geist und feinen Manieren, aber nicht ohne starken Cynismus, Curbière dagegen ein Kavalier von seltener Gewandtheit, auserwähltem Geschmack und neben scharfem Verstande von einer Unbefangenheit in der Beurteilung menschlicher Dinge, die Imgjor in Erstaunen versetzt und außerordentlich angezogen hatte.
Er war ein ganz anderer als der übrige Schwarm der Männer. Lucile hatte wohl gewußt, was sie gethan hatte! Er ähnelte dem Grafen Dehn, demselben den sie, Imgjor, aus Trotz und Stolz von sich gewiesen.
Ein schwerer Kampf vollzog sich gegenwärtig in Imgjors Innern.