"Ja—ich—hatte so schreckliche Angst—Er guckte mich so sonderbar an—und da, da dachte ich, wenn ich das sagte, dann würde er nicht wiederkommen, würde er Komtesse nicht belästigen."
Imgjor sagte zunächst nichts. Sie überlegte, ob sie Gebine schelten oder ihr für ihre Fürsorge ein Lob spenden sollte. Jedenfalls hatte sie es gut gemeint, hatte sie sehr fürsorglich gehandelt.
Endlich glaubte sie, das Rechte gefunden zu haben. Sie sprach: "In diesem Fall war deine Unwahrheit nützlich, Gebine. In der Not mag eine solche einmal erlaubt sein. Sonst aber mußt du dich strengster Wahrheit befleißigen. Nichts ist so verabscheuenswert wie die Lüge! Aus ihr entspringen alle anderen Laster.—Und noch eine Frage: Was äußerte der Mann, als du dies sagtest?"
"Er fragte, wie lange der Rittmeister bliebe, und wer er wäre."
"Und du? du? Was—entgegnetest du, Gebine?"
"Ich sagte—ich sagte—daß es Ihr Bräutigam wäre—"
"Aber das war ja abermals eine Lüge!" stieß Imgjor nun zornig heraus.
"Was sind das alles für Erfindungen—für Phantasien!—Ich bin außer mir, Gebine! Das macht mich sehr betrübt. Hast du mich auch schon belogen? Oft?—Heraus mit der Sprache! Du sagtest gestern, ich hätte dir nur eine halbe Krone gegeben, als du vom Krämer wiederkamst. Ich hätte mich geirrt. Sprich! Und ich warne dich, etwas anderes zu sagen, als die Wahrheit! War's doch eine ganze Krone? Hast du die andere Hälfte in die Tasche gesteckt?"
"O nein—nein—ganz gewiß nicht, Komtesse! Ich habe der Komtesse immer nur die Wahrheit gesagt.—Der Kaufmann schickte mich gleich wieder weg. Ich hatte das Geld in Papier gewickelt—ich hatte es gar nicht nachgesehen—"
"Kann ich dir glauben, Gebine? Sieh', Kind, wenn du mich betrogen hast—ich werde mich erkundigen—mußt du gleich zu deiner Stiefmutter zurück. Und wenn du es später thust, ziehe ich meine Hand unwiderruflich wieder von dir zurück."