"Wie, Frau Gräfin? Imgjor—Sie—Ich bitte—erklären Sie—?"

Aber was er noch sagen und was sie ihm vielleicht erwidern wollte, wurde nicht gesprochen, weil sich gerade der Graf näherte und ihnen schon aus der Ferne in dänischer Sprache einige Worte hinüberrief.

"Hesterne staae beredt!" (Die Pferde stehen bereit!)

Und da es sich um einen Reitausflug nach dem Gehölz von Mönkegjor handelte, verabschiedeten sie sich sehr bald von der Gräfin und nahmen den Weg vorn vors Schloß, woselbst der Reitknecht mit den beiden weißen Hengsten ihrer wartete.—

* * * * *

Der Rest der Woche und die Hälfte der folgenden verliefen Graf Axel sehr rasch, ja, die Tage flogen förmlich dahin. Bald nahm ihn die Gräfin gefangen, indem sie mit ihm in langen Gesprächen auf weitausgedehnten Spaziergängen philosophierte oder ihn zu einer Partie Schach heranzog. Zu anderer Zeit mußte er dem Grafen in seine mit vielen interessanten Dingen angefüllten Gemächer folgen oder Wagen und Reitausflüge mit ihm und dem Grafen Knut unternehmen. Dazwischen lagen die Mahlzeiten mit ihren Leckerbissen, Weinen und anregenden Gesprächen.

Graf Knut—ein früherer dänischer Reiteroberst—besaß im Dorf, abseits, ein höchst malerisch belegenes Herrenhaus mit Garten und Park, das er nebst einem nicht unbedeutenden Kapital von einer verstorbenen Tante geerbt hatte.

Er führte ein sorgenfreies, äußerst behagliches Leben und gehörte zu jenen Menschen, die schon durch ihre bloße Anwesenheit eine angenehme Atmosphäre um sich verbreiten. Er war ein sehr konzilianter, maßvoll veranlagter Mann, der in allen die Menschheit beschäftigenden Fragen jederzeit einen vermittelnden Standpunkt einnahm und zudem stets aufgelegt war, sich an den Abwechslungen, die ihm dargeboten wurden, zu beteiligen.

Nicht nur das zu der ungeheuren Herrschaft gehörende Gebiet: die Vorwerke, die Fischteiche, die Waldungen und die Förstereien wurden während dieser Woche durchmessen und in Augenschein genommen, sondern auch das eigentliche Gut mit all' seinen Einzelheiten und das zu dessen Füßen hingelagerte Kneedeholm.

Dem Prediger, dem Ortsvorsteher und Apotheker, aber auch, aus Gründen kluger Ueberlegung, dem Doktor Prestö, stattete Axel Besuche ab, und wenn der Abend kam, wurde geplaudert, musiziert, etwas vorgelesen oder eine Partie gemacht.