Sie folgte einerseits rücksichtslos ihren eitlen Plänen, nämlich den Mann, der einst ihr erlegen, abermals dauernd in Fesseln zu schlagen, und andererseits ihrem rachsüchtigen Bestreben, mir möglichst unangenehme Empfindungen zu bereiten.
Da ich die Antwort, die Imgjor ihr gegeben, nicht gerügt hatte, wußte sie mich einverstanden. Das genügte, um den schon in ihr lodernden, heftigen Ingrimm gegen mich noch mehr anzufachen.
Nachdem endlich, nach Verlauf peinlicher Abendstunden, die Uhr elf geworden, Graf Knut sich empfohlen, und auch jene sich zum Aufbruch zu rüsten anschickten, erklärte ich, noch ausbleiben und Briefe schreiben zu wollen.
Mein Mann erhob auch keinen Widerspruch, befahl der herbeigerufenen Kammerjungfer, Madame Etienne in ihre Gemächer zu geleiten, und begab sich,—mir in der gereizten Stimmung, die ihn während dieser Zeit stetig beherrschte, nur eine kühle, gute Nacht wünschend,—ebenfalls in seine Räume.
Ich aber that nicht, wie ich vorgegeben hatte, sondern warf mich aufs
Horchen, und sobald ich hörte, daß die Jungfer sich wieder aus Madames
Gemächern entfernt, ich auch abgewartet, daß Frederik die Lichter im
Flur und auf den Korridoren gelöscht hatte, entzündete ich eine
Wachskerze, schritt an die Thür meiner Widersacherin und klopfte.
Ein lebhaftes: "Wer ist da?" erfolgte.
"Ich, Lucile, bin's! Bitte, öffnen Sie!" gab ich zurück.
"Ah! Sie, liebe Gräfin! Ich komme gleich—"
Und so geschah's. Ich fand sie halb angekleidet, forderte sie auf, mir
Gehör zu schenken, und setzte mich alsbald ihr gegenüber.—
Alles, was ich auf dem Herzen hatte, sagte ich, nicht gehässig, aber entschieden, klar und knapp. Ich betonte, was wir gewollt, was geworden, wie sie sich dazu verhalten habe, was sie ohne Zweifel beabsichtigte, wie sie meinen Gatten wieder umgarnen wolle und welche beleidigende Rolle gegen mich, und welche aussichtslose gegen ihre Tochter sie spiele.—