Imgjor Lavard war stillschweigend ausgesöhnt mit den Ihrigen. Alles wartete ihrer bis auf den Grafen Knut drunten im Dorf und den mit gewohnter Ehrerbietung und Dienstfertigkeit einherschreitenden Frederik.
Die Vögel konnte keine Willkommenskonzerte anstimmen, sie waren schon gen Süden gezogen, aber die Lavardschen Fahnen wehten von den Zinnen, und von Oerebye war eine Kapelle bestellt, die Imgjor am ersten Frühmorgen vom Park aus durch sanfte Töne begrüßen sollte.
Und kam sie nun als eine Geheilte, eine Sehnsüchtige, Friedensuchende,
oder war doch wieder etwas in ihr aufgequollen, das sie mit der großen
Welt in Verbindung hielt?! Niemand wußte es in Rankholm, und auch Graf
Dehn wußte keine Schlüsse auf ihr Herz zu ziehen.—
Langsam wanderte er nach dem Schloß zurück. Jetzt sah er, was um ihn her vorging.
Als er aus dem Gehölz heraustrat und sich umblickte, ging die Sonne eben zur Rüste und warf solche zauberischen Lichter auf Wald, Wiesen und Felder, daß er wie gebannt stillstand. Vom Dorf her tönte das Kirchenglöcklein durch die Stille, fröhliches, einmaliges Hundegebell erklang, und auch das sehnsüchtige Brüllen nach Hause wandernder Rinder schlug an sein Ohr.
Das waren die Laute des Landes!
Erst um die Dämmerstunde gelangte er wieder in das Schloß.
Als er das Innere betrat, war's ihm auffallend, daß Frederik und zwei der Diener an Gepäckstücken vor der großen Treppe beschäftigt waren und daß die Thür zur Halle offen stand.—
"Wer ist's, Portier? Die Komtesse?".
"Ja! Zu Befehl, Herr Graf!"