"Ja, ich bin ehrgeizig, Sie haben recht, Graf Dehn! Ich leugne es nicht. Ich lege Wert auf meinen Stamm, auf unser Ansehen und unsern Reichtum. Ich bin aber—" hier lächelte Lucile Lavard mit einem liebenswürdig anschmiegenden Lächeln—"durchaus nicht so äußerlich, wie Sie glauben mögen. Ja, ja, ich hab's schon bemerkt, Herr Graf, daß Sie mich recht abfällig beurteilen.—Lassen Sie mich Ihnen sagen, wie ich denke! Ich wünsche mich auszusprechen, da ich Sie bereits zu uns zähle: Ich überhebe mich über niemanden, das wäre eine Beschränktheit. Gott gab mir objektiven Verstand. Aber ich leugne nicht, daß ich, je höher die Verfeinerung der Sitten und je vornehmer, sorgloser die Lebensverhältnisse sind, um so größeren Geschmack an den Menschen und Verhältnissen finde. Das Leben mit den gesellschaftlich Auserwählten ist mir Bedürfnis, ich teile durchweg ihre Interessen und Neigungen. Freilich unterscheide ich stark. Der Oberflächlichkeit gehe ich möglichst aus dem Wege; die Männer, die unthätig nur in den Tag hinein leben, verabscheue ich. Finde ich Verstand, Streben, Geist und wahrhaft kavaliermäßige Eigenschaften, so suche ich eine Annäherung. Mein Ziel ist das Bündnis mit einem Mitglied der höchsten Stände. Eine Lavard hat das Recht, ihre Hand nach einer Fürstenkrone auszustrecken. Und wenn ich das erreicht habe, so will ich mir Beachtung erwerben durch die Pflege der Künste und Wissenschaften, durch Wohlthun, durch die Förderung alles dessen, was im wahren Sinne wertvoll und sittlich ist. So denke ich mir mein künftiges Leben, dahin geht mein Ehrgeiz."

Axel hatte ihr aufmerksam zugehört, und so sehr wuchs durch die Verminderung seiner Vorurteile ihre Persönlichkeit in seinen Augen, daß er sich zu einer eifersüchtigen Regung fortreißen ließ.

"Wahrlich, ich bewundere Sie, Komtesse!" stieß er heraus. "Aber ich empfinde einen starken Schmerz um die, welche mit keiner Krone im Wappen zur Welt kamen und deshalb nicht einmal Ihre Fingerspitzen berühren dürfen."

Sie sah ihn an, und ein reizvoll gütiges Lächeln umspielte ihren Mund.
Dann sagte sie:

"Sie dürfen es, Graf Dehn! Auch dahin wollte ich noch Ihre Voraussetzungen berichtigen. Ich bin nicht stolz oder gar hochmütig in Ihrem Sinne. Ich hab' etwas Selbstgefühl, weil ich mir bewußt bin, daß ich stets vernünftig zu handeln suchte, weil ich Grundsätze habe und dem Besseren—wenn auch nur in meiner Weise—ehrlich nachstrebe. Aber glauben Sie es mir, ich bin für meine Leute ein guter Kamerad. Ihnen will und werde ich es jederzeit sein, wenn Sie mich brauchen können."

"Ah, welche Musik für mein Ohr, gnädigste Komtesse! So sprach auch Ihre
Frau Mama.

"Ich danke Ihnen, danke Ihnen von Herzen! Ich bitte Ihre Hand zum
Zeichen meiner Verehrung berühren zu dürfen!"

Ein stiller, freundlicher Blick traf ihn, während sie gewahrte, worum er bat, ein Blick, ähnlich wie der, welcher in den Augen ihrer Mutter bisweilen erschien. Voll Nachdenken über diese Frauen, die sich so offen gaben und in denen allen sich doch etwas Rätselhaftes verbarg, stieg Graf Axel an der Seite Luciles wieder in die unteren Räume hinab.—

Nach dem Frühstück am folgenden Tage wurde über eine, einem geplanten größeren Fest noch vorherzugehende, kleine Abendfête beraten.

Man wollte Lucile nach ihrer langen Abwesenheit Gelegenheit geben, mit den gesellschaftsfähigen Personen in Kneedeholm und einigen der höheren Gutsangestellten ein Wiedersehen zu feiern. Ueber das Erscheinen der letzteren, des Pastors Nielsen und des Apothekers war man sich einig. Die Hinzuziehung des Doktor Prestö stieß auf Schwierigkeiten.