Unmittelbar neben dem Eingang zu seinen Gemächern führte eine Treppe zunächst zu einem halbrunden Flur empor, und auf diesen mündete die vom Hofe emporstrebende Wendeltreppe.
Graf Dehn hatte lange schon das lebhaftere Verlangen gespürt, einmal einen Blick in die Räume zu werfen, in denen das seine Gedanken und seine Sinne so ausschließlich beschäftigende junge Mädchen wohnte. Nun sollte ihm das werden, und mit einer gewissen Hast folgte er Imgjor und ihrer Bürde.
Sie ging aber nicht ins Schloß, sondern wählte den Weg, der über den Hof und von dort hinauf zu ihrer Wohnung führte.
"Bitte, hier!" unterwies sie Axel, als sie oben angekommen waren, und zeigte auf einen verborgenen Winkel, in dem an einem verdeckt angebrachten Haken ein Schlüssel hing.
Und Graf Dehn beeilte sich, ihrem Befehl zu entsprechen. Er öffnete das
Gemach.
Es war aber erst ein einen Blick auf den inneren Schloßhof gewährendes
Vorzimmer mit Tapetenthüren und altmodischen Möbeln.
Die eigentlichen beiden Wohnstuben befanden sich nach der Parkseite.
Graf Dehn war völlig benommen von der reizvollen Eigenart des ersten
Gemaches, das Imgjor als ihr Wohnzimmer bezeichnete.
Ein großer Tisch, bedeckt mit Büchern und allerlei kostbaren Gebrauchsgegenständen, stand in der Mitte. Ihn umgaben eine Anzahl kleiner Sofas, die mit rosenroten, blumendurchwirkten Seidenstoffen bezogen waren, und ebensolche Divans standen zwischen den das Zimmer füllenden schneeweiß und goldfarbigen Rokokomöbeln.
Auch eine reiche Bibliothek in kostbaren Einbänden befand sich in der einen Wandseite, und sie ward halb beschützt von einem weißseidenen Vorhang. Blumen und Vogelkäfige standen in den tiefen Fenstern, und prachtvolle, rosaseidene Gardinen fielen, um besser Licht zu lassen, ungerafft von oben bis auf den Fußboden herab.
"Wie feenhaft wohnen Sie hier, Komtesse!" nahm Graf Dehn das Wort, nachdem Imgjor das Tier nebenan in ihrem Schlafgemach gebettet hatte und nun, rasch zurückkehrend, ihm wieder gegenüberstand.