"Ja, viel zu schön!—Wer hat ein Recht, derartig sich einzurichten, wenn in der Welt so viele arme Geschöpfe darben—" entgegnen sie herb im Ton. "Ich lerne den Luxus immer mehr hassen. Wäre nicht der die Seele belebende, schöne Ausblick, könnte ich nicht in mein geliebtes Thal und ins Dorf hinabschauen, wäre ich schon ausgezogen und hätte mir Räume gesucht, die mich an Einfachheit und Entsagung gewöhnen—" Und dann kurz abbrechend, nachdem sie ihm nochmals ihren Dank wiederholt hatte, sagte sie: "Sie können gleich rechts die Treppe hinuntergehen, um Ihre Zimmer zu erreichen. Wir sind sozusagen Nachbarn, das heißt Nachbarn von oben und unten—"
Hierauf neigte sie mit gewohnter, kaum gemilderter Ausdruckslosigkeit den Kopf und begab sich—Axel hörte es, während er die Thür hinter sich schloß—eilends wieder zu dem kranken Tiere in ihr Schlafgemach.
Aber diese Sicherheit, nicht beobachtet zu werden, veranlaßte Graf Dehn,
nicht so gleich das Vorzimmer zu verlassen, sondern sich noch einen
Augenblick darin umzuschauen, ja, sogar die Klinke einer der beiden
Tapetenthüren zu berühren.
Da nach seiner Berechnung die Wände des Gemachs zugleich die Außenmauern des Turms bilden mußten, war er sehr neugierig, zu erfahren, wohin die Eingänge führten.
Zu seiner Ueberraschung gab das von ihm geprüfte Schloß nach, und vor ihm lag eine dunkle Treppe.
Das beschäftigte ihn dermaßen, daß er,—unten in seinen Gemächern angelangt,—alle Wände untersuchte. Aber er fand nichts. Wahrscheinlich führte diese in die dicke Mauer eingelassene, geheime Treppe in den Garten hinab, und auffallend war's nur, daß die Thür unverschlossen war, daß sie also noch gebraucht wurde.—
Daß übrigens Imgjor ihre Stellung zu Axel nicht verändern wollte, zeigte sich schon an demselben Tage sowohl bei Tisch, wie beim Abendessen. Sie begegnete Graf Dehn, trotz dieses sie enger verknüpfenden Vorfalles, mit derselben kühlen Gemessenheit wie bisher, und als von dem Hunde die Rede war, erwähnte sie seiner Hilfeleistung mit keiner Silbe.
Die beiden folgenden Tage boten wiederum allerlei Abwechslungen, durch die Graf Dehns Gedanken vorübergehend von Imgjor abgelenkt wurden.
Er machte mit dem Grafen, der Gräfin und Lucile und mit diesen allein, da Imgjor heftige Migräne vorschützte, eine Wagenpartie nach einem der umliegenden Güter, wohin die Herrschaften schon zum Frühstück geladen waren, und am folgenden Tage fuhr er mit dem Grafen Knut und dem Herrn des Hauses in das zwei Meilen entlegene Städtchen Oerebye, woselbst sie an einem Diner bei einem Herrn von Kjärholm teilnehmen sollten.
Am letzten Abend vor der angesetzten Gesellschaft hatten sich der Graf, Lucile und Imgjor früher zurückgezogen. Graf Lavard fühlte sich durch eine Erkältung beschwert, und Lucile und Imgjor hatten sich, über starke Müdigkeit klagend, schon bald nach Aufhebung der Tafel in ihre Gemächer begeben.