Und unter solchen lebhaften Reden gelangten sie dann an das Kastell, das seine Front einem mächtigen, freien Platz zuwandte.

Da aber dieser und das Gebäude ringsum von hohen, laubreichen Bäumen und dichtem Gebüsch umschlossen waren, erschien's dem Auge, als ob Rankholm—wie ein Dornröschenschloß—mitten in einem Walde liege.

Freilich war's anders! Aus den Hinterfenstern schaute man durch den zu solchem Zwecke gelichteten Park ins Thal hinab, und da lag in malerischer Schönheit und in solcher Nähe, daß man bei hellem Wetter die Häuser, Wege und Menschen aus den Schloßfenstern genau zu erkennen vermochte, das Dorf Kneedeholm mit seiner schlanken Kirche, seinen reichen Bauerhäusern und einem alten romantisch gebauten Jagdschloß vor einem.

Einen überwältigenden Eindruck empfing Graf Dehn, als er nach
Ueberschreiten der Schloßbrücke, die auf einen peinlich sauber
gepflasterten Vorhof führte, durch das mächtige, von zwei Steinernen
Löwen flankierte Portal in das Innere eintrat.

Er befand sich auf einem großen, in der Mitte durch einen sprudelnden Neptunbrunnen geschmückten und von den Mauern des stolzen Gebäudes eingeschlossenen Innenhof.

Zu Seiten einer im Mittelbau befindlichen, mit dem Wappen der Grafen Lavard gezierten Rampe—eine Faust, die einen Dolch hielt, zückte ihn gegen einen sich wild anlehnenden Geier—strebten mächtige Säulen empor.

Auf ihnen erhoben sich Marmorgestalten aus der Antike, und zu ihren
Füßen streckten zwei Tiger aus Bronze ihre Leiber und Tatzen aufs
Pflaster aus.

Und zwischen diesen mit Vorsprungtürmen, zahlreichen hohen Eingangspforten, bogenförmigen, von Epheu und Schlinggewächsen umzingelten Fenstern und Altanen geschmückten Mauerwänden herrschte eine lautlose, gleichsam furchterregende Stille. Sie wurde nur jetzt unterbrochen durch das Geräusch einer sich öffnenden Thür im Portierhause, der sich der Alte soeben genähert hatte, um den Gast beim Pförtner anzumelden.

Nachdem das geschehen, verabschiedete er sich, nach Empfang eines reichlich bemessenen Trinkgeldes, mit still verbindlicher Miene, und der Pförtner, ein ebenfalls gebückt einhergehender Alter, stellte sich entblößten Hauptes vor dem Fremden auf und zog, nachdem er gehört, wer er sei, wiederholt kräftig an einer Schelle.

Laut und zudringlich, ja, schreckhaft tönte sie über den einsamen Hof, und im Nu erschien der Haushofmeister in einem schwarzen Frack oben auf der Schloßtreppe, eilte die Stufen hinab und geleitete den Grafen mit einer Ehrerbietung, wie sie nur Königen dargebracht zu werden pflegt, in das Schloß.