Später kam der Graf auf die Versammlung in Oerebye zu sprechen.

"Jeder Gutsherr—" erklärte er—"muß seinen Herd und sein Eigentum schützen. Thun das alle, halten sie eben so fest zusammen, wie diejenigen, die übertriebene Forderungen erheben, so wird die gegenwärtige Bauernbewegung auf ein verständiges Maß herabgedrückt werden. Den Schutz erkenne ich in der rücksichtslosen Entfernung aller Ruhestörer, der Erhaltung geordneter Zustände, in einem möglichsten Entgegenkommen gegen diejenigen, die uns mit verständigen Vorschlägen zur Verbesserung der Lage der Bauern und Landarbeiter gegenübertreten—"

Diese Worte bewiesen, daß Graf Knut in seinem gelegentlich gefällten Urteil über den Grafen recht hatte. Nur dessen ungemessene, in besinnungslosen Jähzorn ausartende Heftigkeit hatte er getadelt.

"Die Lavards sind alle besonders. Sie besitzen eine Starke Eigenart!" hatte er geäußert. "Bei den meisten überwiegt Genialität und Energie, bei anderen neben hoher Intelligenz starke Erregbarkeit und Hang zum luxuriösen Wohlleben. Den hat der Graf lange abgestreift, aber das leicht erregte Blut wird ihm bleiben bis zum Tode, und das hat ihm und anderen schon viel Herzeleid gebracht."

Imgjor erschien nicht bei Tisch. Dagegen hatte sich Graf Knut eingestellt und wegen der immer stärker um sich greifenden Epidemie im Dorfe eine länger andauernde Gastfreundschaft erbeten.

Er regte, wie immer, durch seine gute Laune und seine frische Lebendigkeit die Gesellschaft an, und da auch Graf Dehn gewohnheitsmäßig einen lebhaften Geist entfaltete, verflossen die Stunden bis zur Schlafzeit in der angenehmsten Weise. Nach Tisch, nach einer längeren Promenade im Park, setzte sich die Gräfin mit dem Grafen Dehn an den Schachtisch, und die beiden Herren spielten eine Partie Pikett. Bei dieser Gelegenheit brach jene das von ihr bis dahin beobachtete Schweigen und erzählte Axel, daß Imgjor die Forderung gestellt habe, daß ihr ihr Erbteil ausgezahlt und völlige Bewegungsfreiheit eingeräumt werde.

"Sie sollen morgen alles und noch anderes erfahren—" sagte sie. "Mein Mann könnte hören, was ich spreche. Er wünscht, daß die Dinge einstweilen nicht berührt werden—" schloß sie mit gedämpfter Stimme.

Zu einer Gegenrede, namentlich zu einer Frage, ob Imgjor engere Beziehungen zu Prestö eingeräumt habe, vermochte Graf Dehn nicht zu gelangen.

Zum Thee erschien Imgjor, und auch an dem heutigen Abend trug sie—Axel schob's diesmal auf die bevorstehende Zusammenkunft mit Prestö, für welche helle Gewänder nicht geeignet waren,—ein dunkles Kleid. Sie sah wieder anbetungswert schön aus und kehrte gegen den Grafen Knut ein neckisch anschmiegendes Wesen heraus.

Zum erstenmal sang sie auf Graf Knuts wiederholte, dringende Bitte einige Lieder. Graf Dehn befand sich, während er ihren Vorträgen lauschte, in einer Art von Verzauberung. Sein Ich lag in ihren Banden. Etwas Aehnliches, die Seele Bewegendes, Ergreifenderes konnte man nicht hören.