"Und diese Logik entwaffnete sie nicht, Frau Gräfin?"

"Nein. Sie erklärte, daß kein Widerspruch vorhanden sei, weil sich für sie in Prestö der Träger der neuen Ideen verkörpere. Zu ihm ziehe sie die übereinstimmende Ueberzeugung, aber auch der Wunsch nach einem kräftigen Halt und einer männlichen Unterstützung für ihre Pläne. Ihre Herzensempfindungen kämen erst in zweiter Linie in Betracht. Würde sich herausstellen, daß sie sich nicht angehören könnten, würde sie zu verzichten wissen. Eine Entscheidung darüber erstrebe sie. Wenn sie sich entschlösse, ihn zu heiraten, bäte sie um gutwillige Zustimmung von unserer Seite. Wenn nicht, müsse sie ohne diese handeln. Ihr Gewissen spreche sie von jedem Pflichtmangel frei. Sie sei kein lebloser Gegenstand, kein Ding, über das man ein ganzes oder beschränktes Verfügungsrecht besitze."

* * * * *

Die nächstfolgenden Tage der Woche verliefen ohne besondere
Zwischenfälle. Das bevorstehende Fest nahm die Gedanken und die
Thätigkeit der Gräfin fast ganz und die des Grafen kaum minder in
Anspruch. Auch Lucile war wenig zu haben, da sie sich mit
Ueberraschungen für den Ball trug. Nur abends wurde, wie gewöhnlich,
eine Partie Boston, Pikett oder Schach gespielt, auch fanden gemeinsame
Gesprächsaustausche über die die Gesellschaft berührenden Einzelheiten
statt.

Es trafen Zusagen und Absagen ein, und für letztere mußte noch im letzten Augenblick Ersatz geschaffen werden.

Da ging's ans Ueberlegen, welche Form einer nachträglichen Einladung die schicklichste und zugleich erfolgreichste sein werde. Auch ließen Lieferanten die Küche im Stich. Der Koch hatte seine Not geklagt, und die Damen mußten noch Depeschen und Zuschriften entwerfen, welche reitende Boten zu besorgen hatten.

Als am Vorabend des Balltages eine gemeinsame Beratung wegen der Tischordnung stattfand, stellten sich allerlei Schwierigkeiten heraus. Diesmal saßen alle Anwesenden, auch Imgjor, um den im Wohnzimmer befindlichen runden Sofatisch und hörten dem Grafen zu, der einen mit sämtlichen Plätzen versehenen Entwurf vor sich hatte.

Es fehlten Herren, und es blieb nichts anderes übrig, als noch einige von den Gutsbeamten nachträglich hinzuzuziehen.

Aber das war dem Grafen durchaus nicht recht, und da ihn gerade
Kleinigkeiten sehr aufbringen konnten, so ergriff ihn auch an diesem
Abend eine Starke Reizbarkeit. Er machte seinem Unmut über die ganze
Sache in einem wenig rücksichtsvollen Ton Luft.

"Nichts klappt, und ich sehe schon kommen, daß wir statt Vergnügen überreichlichen Verdruß von der ganzen Fête haben werden!" stieß er heraus. "Gleich war ich gegen diese Ueberhastung. Was eilte denn die Sache so sehr? Solche Affairen kann man nicht über's Knie brechen. Nun haben wir's!"