"Aber, lieber Lavard, die Dinge sind doch mit etwas gutem Willen leicht
zu arrangieren!" fiel die Gräfin besänftigend ein. "Wir laden noch den
Oberverwalter, den Oberförster, den Inspektor und den Gutsförster ein.
Dann sind wir in Ordnung."
"Ja, ja. Aber das ist mir höchst fatal! Erst sind sie nicht gut genug. Nun werden sie herbeikommandiert. Die Leute denken doch nach, sie haben ihr Ehrgefühl. Aber du mußt ja immer plötzliche Launen plötzlich befriedigen, Lucile!"
Erst schwieg die Gräfin; sie erblaßte und schob den Kopf wortlos zurück.
Dann sagte sie in sanftem Ton:
"Lucile kam doch früher zurück, weil wir diesen Ball geben wollten. Wir waren uns darüber einig, daß wir ihn bei den vielen Verpflichtungen, die wir haben, nicht länger aufschieben könnten. Als du die Reise nach Kopenhagen anregtest, beschlossen wir gemeinsam, rasch noch die Einladungen ergehen zu lassen. Der Vorwurf trifft mich also in keiner Weise, Lavard."
Von der Richtigkeit des Gesagten betroffen, schwieg der Graf. Aber sein Mißmut wurde nicht gehoben, sondern verstärkte sich gerade durch diese Einwände so sehr, daß er nach einem Gegenstande suchte, auf den er seinen Mißmut ablenken konnte. Und da ihn Imgjors zu Tage tretende Gleichgültigkeit während dieser Beratungen schon mit starkem Aerger erfüllt hatte, da er wußte, daß sie all' dergleichen Festlichkeiten mißbilligte und infolgedessen laut oder stumm über ihnen zu Gericht zu sitzen sich herausnahm, so wendete er sich, seiner Gemahlin zugleich indirekt eine Antwort erteilend, an seine Tochter und sagte:
"Na ja, es bleibt ja dann nichts anderes übrig, und du, Imgjor, kannst dann morgen vormittag gleich die Herren ohne ihre Frauen unter passender Erklärung einladen!"
Der zornige Mann verschaffte sich durch diese Worte einerseits die Vorbefriedigung über die Antwort, die Imgjor erteilen und durch die er sie als Partnerin gegen seine Frau gewinnen würde, andererseits fand er Gelegenheit, das Feuer des in ihm glimmenden Vulkans über sie selbst auszuschütten.
Es verlief auch alles, wie er es erwartet hatte.
"Ich halte es für unmöglich, daß wir die Herren ohne ihre Frauen auffordern!" entgegnete sie. "Eine nachträgliche, in guter Form vorgebrachte Einladung an die Familien werden sie nicht übel deuten. Daß aber die Männer bloß als Figursäulen an der Tafel sitzen sollen, werden sie sehr übel vermerken. Bei der ohnehin herrschenden gärenden Stimmung, auch in diesen Kreisen, möchte ich dringend abra—"
"Du hast gar keine Lehren und Anweisungen zu erteilen, sondern zu thun, was ich dir sage!" fuhr's aus des Grafen Munde. "Wenn's richtig gemacht, wenn darauf hingewiesen wird, daß wir keinen Platz haben, daß durch eine gleichzeitige Invitation der Frauen unser Zweck nicht erreicht, sondern die Situation noch verschlimmert wird, werden meine Beamten, denen ich stets mit Güte begegne, die mir Dank schulden und durchaus kein Recht besitzen, sich in einer gärenden Stimmung zu befinden, schon die notwendige Rücksicht üben. Nebenbei wird das wieder eine der zahlreichen thörichten Vorstellungen sein, mit denen du deinen Kopf anfüllst, statt dich der näheren Pflicht zu erinnern, die du gegen deine Eltern und deine Umgebung hast, Pflichten, die in Liebenswürdigkeit, Fügsamkeit, Erleichterung ihrer Bürden, Teilnahme an ihrem Thun und Handeln bestehen sollten! So, das merke dir!"