Imgjor biß die Zähne zusammen, und man sah's, sie hätte am liebsten einmal voll ausgeholt. Aber noch bezwang sie sich. Sie sagte nur:

"Du äußertest doch gegen Mama gerade dieselben Bedenken wie ich, Papa.
Ich begreife deshalb nicht, daß ich nun für etwas getad—"

"Zum Weiter, schweige jetzt und füge dich oder verlasse das Zimmer!"—sprühte der Graf. "Ich wünsche nicht von dir im Sprechen kontrolliert zu werden, ich wünsche keine Lehren zu empfangen. Ich wiederhole früher Gesagtes: Ich habe grade genug!

Und es sei dir bei dieser Gelegenheit gleich einmal notifiziert: Wenn du nicht den Beziehungen zu dem Menschen da unten in Kneedeholm nunmehr ein für allemal ein Ende machst, wenn du nicht abläßt von all' dem Unsinn der Volksbeglückung, der zu keinem anderen Resultat führen wird, als daß meine Bauern hier oben in Rankholm tafeln und Champagner trinken, wir aber alle vor den Pflug gespannt werden, so—"

"Deine Bauern sind Menschen, die dieselben Rechte auf Wohlfahrt und Glück besitzen wie wir, Papa," fiel Imgjor unerschrocken ein. "Und wenn du es wünschest, so gehe ich nur zu gern. Es deckt sich ja genau mit dem dir jüngst vorgetragenen Ersuchen—"

"Imgjor—ich warne dich—" rief der Graf, sprang empor und fiel fast über seine Tochter her. Der Jähzorn hatte ihn wieder einmal bis zur Besinnungslosigkeit gepackt, und nur durch ein rasches Dazwischentreten der Gräfin, die Imgjor schützend in ihre Arme nahm, ward Uebles verhütet.

Auch Lucile, wenn schon in heftigstem Gegensatz zu ihrer Schwester, legte ihre Hand auf des Grafen Arm und bat durch Mienen und Worte, daß er sich besänftigen möge.

"Laßt mich!" rief der Mann und löste sich unsanft von seiner Frau. "Wenn ich bedenke, daß dieses Mädchen meinen Namen trägt, daß ich das hinnehmen soll, ohne die Unverschämtheit zu züchtigen!" Und: "Weißt du, wer du bist?" fügte er hinzu, und seine Mienen entstellten sich noch mehr.

Aber in diesem Moment flog die Gräfin abermals auf ihren Mann zu, faßte ihn, der offenbar etwas sprechen wollte, was niemals enthüllt werden durfte, und verschloß ihm mit der Rechten den Mund.

Und nachdem das geschehen, wandte sie sich zu Imgjor, nahm sie in ihre Arme und redete besänftigend mit gedämpfter Stimme, auf sie ein. Man sah's, sie beschwor ihre Tochter, nachzugeben, aber man sah auch, daß es etwas war, wogegen sich ihrer Tochter heiße Seele mit trotziger Gewalt aufbäumte.