Und dann ging er, Axel warmherzig zunickend, und dieser, die Brust voll von unruhigen Erwartungen blieb allein.—

Das Speisegemach in Rankholm lag zu Seiten des großen Empfangssalons,
welcher wegen seiner Spiegelwände der Spiegelsaal genannt wurde. Als
Axel von dem in einem tadellosen Frack und weißer Binde steckenden
Frederik zunächst in den ersteren geleitet wurde, fand er die
Herrschaften schon versammelt.

Die Gräfin, die ihm gleich liebenswürdig zunickte, befand sich in einem Gespräch mit dem Grafen Knut, einem kleinen, starken, beweglichen Herrn mit hinkendem Bein und tiefer Schmarre in dem sehr ausdrucksvollen, dänisch geschnittenen Gesicht.

Graf Lavard unterhielt sich dagegen mit dem jungen Doktor Prestö, einem
Mann, der wie ein Korpsbursch aussah und durch die dunklen Farben seines
Angesichts und durch das tiefe Schwarz seines Haares eher einem
Italiener, als einem Bewohner des Nordens glich.

Imgjor endlich stand vor einem großen, reich vergoldeten Käfig und beschäftigte sich mit einem prachtvollen, buntgefiederten Papagei, den sie zärtlich verhätschelte und der auch ihr sehr zugethan zu sein schien.

Sogleich fand die allgemeine Vorstellung und ein lebhafter Wortaustausch zwischen Axel und dem Grafen Knut statt, und nur Imgjor blieb nach steif formeller Verneigung neben dem Bauer stehen und trat erst von diesem zurück, als Frederik die Flügelthüren zu dem Speisegemach und der dort aufgehellten, in Krystall und Silber strahlenden Tafel aufstieß.

Graf Knut führte die Gräfin, der Graf gab einer noch eben hinzugetretenen, als Imgjors Lehrerin vorgestellten, älteren Hausdame den Arm, und Axel erhielt seinen Platz zwischen Imgjor und dem Doktor Prestö, in der Art, daß er und die übrigen, mit Ausnahme von Imgjor, für die an dem unteren Ende der Tafel ein Kouvert gedeckt war, einander gegenübersaßen.

Das Gespräch wurde zunächst so ausschließlich von der Gräfin in Anspruch genommen, daß die anderen zu einer Einzelkonversation keine Gelegenheit fanden. Erst später gelang es Axel, sich mit Imgjor zu beschäftigen und mit dem Doktor eine Unterhaltung anzuknüpfen. Allerdings zeigte dieser eine ähnliche unhöfliche Zürückhaltung wie Imgjor.

Es giebt junge Leute, die ohne ein zu Tage tretendes Bestreben, sich vordrängen zu wollen, mit einer Geschlossenheit und Sicherheit des Wesens auftreten, als ob alle Geheim- und Weisheitsbücher der Welt schon vor ihnen aufschlagen gewesen seien. Ein solcher Mensch war der Doktor. Er gab sich Axel gegenüber sehr unbiegsam und nichts weniger als zuvorkommend. Von seinem mit bürgerlichem Hochmut gepaarten Selbstgefühl wurde Axel in solcher Weise abgestoßen, daß er es sehr bald ablehnte, seinen Nachbar überhaupt noch zu beachten. Er redete ihn nicht mehr an und hörte auch nicht mehr zu, wenn jener sprach. Allerdings kehrte Prestö auch eine ziemlich unpersönliche Art gegen Imgjor hervor. Er sprach zwar sehr viel mit ihr, aber über Gegenstände, die sonst nur zwischen Männern erörtert werden. Er machte ihr in keiner Weise den Hof, legte vielmehr an den Tag, daß ein Prestö gerade so viel Beachtung in der Welt verdiene und dasselbe Recht auf Selbstgefühl besitze, wie die Familie Lavard auf Schloß Rankholm. Und Imgjor hörte ihm zu, als ob ein Evangelium von seinen Lippen flösse; sie richtete ihre Augen und Gedanken so ausschließlich auf ihn und wich Axel so geflissentlich aus, daß dieser zuletzt wie ein Freitischschüler neben ihnen saß.

Allerdings hielt das nicht lange an. Graf Dehn verband mit Geist und sehr großer Gewandtheit eine starke Initiative, und sie und seine Menschenkenntnis gaben ihm stets die Mittel an die Hand, sich, wenn er es wollte, zum Herrn der Situation zu machen. Und so geschah's auch heute.