Aber, drum und dran, für die unsinnige Geschichte mit der Zuckerfabrik möchte er Unsummen ausgeben. Unser Land eignet sich nicht für den Rübenbau, aber er will es durchzusetzen, er will Geld machen, raffen, die Einnahmen vergrößern, das ist sein einziger Gedanke. Na, mit der Fabrik wird's hoffentlich noch seine Weile haben. Sie ist dagegen.“
„Hat sie denn etwas zu sagen, wenn er will?“
„Na ob! Sie verstehen sich immer. Alles wird gemeinsam überlegt. Neulich sagte sie, sie wollte ihr Silberzeug einschmelzen lassen und verkaufen. Neusilber thäte es auch. Sie hätte sich herausgerechnet, daß sie so viel Kapital herauskriegte, daß sie von den einmaligen Jahreszinsen sich eine neue Christofleeinrichtung anschaffen könnte. Ich muß daran denken, daß wir, drum und dran, Familienzuwachs erhalten, sagte sie —“
„So? also damit hat sie Grund, sich zu beschäftigen? Das wußte ich noch gar nicht. Wie steht es auf Falsterhof? Ist es wahr, daß Herr von Streckwitz dort fast täglicher Gast ist? Frau Theonie leugnete es neulich, sie wurde aber sehr rot dabei. Ich glaube, die Verlobungsanzeige wird nicht lange auf sich warten lassen.“
„Meinen Sie wirklich?“ fragte Hederich erstaunt. Er gehörte zu den
Menschen, die weniger selbst sehen, als sich aufmerksam machen lassen,
aber, einmal rege gemacht, aus Neugierde mehr beobachten als andere. Da
Carin, vielleicht aus Diskretion, die Möglichkeit eines tieferen
Interesses Theonies für Streckwitz nicht wieder berührt hatte, war auch
Hederich nichts aufgefallen.
„So, lieber Hederich! Nun darf ich Sie aber fortjagen; wir haben heute Wäsche, und ich muß selbst noch mit anfassen. Heute abend ist Nähschule bei mir, die erwachsenen Kinder aus dem Dorfe. Ich habe viel um die Ohren. — Darf ich Ihnen rasch noch etwas bringen? Einen Schnaps? Warten Sie — herrliche Wurst hat mir Klaus gebracht. Die müssen Sie probieren.“ — Und während er, nachdem sie rasch den Branntwein und die Speisen herbeischafft, aß, stand sie — sich zu setzen hatte sie keine Zeit — vor ihm und erzählte noch von allerlei traurigen Ereignissen im Dorfe, von Not und Krankheit, der sie abzuhelfen bemüht gewesen, und zuletzt auch noch eine lange Geschichte von Lene. Sie sei mit ihrem Vater in Elsterhausen und jetzt recht niedlich.
„Ja niedlich, niedlich,“ betätigte Hederich, während er das Leberwurstbutterbrod in den Mund schob, etwas zerstreut. Die Geschichten von Lenchen erregten wohl sonst sein Interesse, aber heute ging er ihnen lieber aus dem Wege.
Als er schon in seinem Einspänner saß, sah er noch, daß Frau Höppner mit einer alten Bauerfrau sprach, die vor der Thür stand und weinend ihren Kummer erzählte. Die Pastorin aber trocknete der Alten mit ihrem Schnupftuch die Thränen von den Wangen, und trostreiche Worte gingen über ihre Lippen:
„Na ja, kommen Sie nur erst mal herein und nehmen was Warmes, gute Alte. Dann wollen wir weiter sprechen,“ hörte er sie noch sagen, und „Drum und dran, brave Frau!“ ging's über Hederichs Lippen, während er mit einem Hü die Zügel ergriff und das Pferd antrieb.
Als er zu Hause sein Wohnzimmer betrat und Licht machte, fand er auf seinem Schreibtisch einen Brief, der Frau von Tressens Handschrift trug. Mit nicht geringer Spannung ergriff er das Schreiben, öffnete und las: