Sicher würden sich solche Auftritte wiederholen, und ihnen aus dem Wege zu gehen, sei nur ratsam; jetzt sei noch Geneigtheit zur Versöhnung auf beiden Seiten vorhanden, später aber könne sich ein unheilvoller Bruch daraus entwickeln.
„Drum und dran, es ist nun einmal so. Sich keinen Illusionen hinzugeben, ist immer weise, wenn's auch hart, betrübend und schwer ist, sich auf den Boden der Thatsachen zu stellen.“
„Ja, so meine ich auch, Hederich, und doch, wenn ich denke, daß wir wie Überzählige aus dem Hause gehen, daß wir unser geliebtes Holzwerder verlassen sollen, dann ist's mir, als überfiele mich eine unheilbare Krankheit. Sie ahnen nicht, wie mein Gemüt beschwert ist. Seit heute nachmittag pocht mir das Herz vor Aufregung. Das, das ist das Ende!“ stieß sie, in grenzenloser Schwermut vor sich hinstarrend, heraus. „Ja, ja, Geld! Geld! Wir sollten nur das Vermögen haben, die Kinder sollten nur von uns abhängig sein! Wie ganz anders würde es dann aussehen!“
Sie weinte wieder, des Lebens Jammer erfaßte sie mit ganzer Gewalt, sie
war betrübt zum Sterben, aber jetzt nicht aus der Vorstellung,
Holzwerder verlassen zu sollen, sondern aus dem Schmerz enttäuschter
Mutterliebe.
Es war richtig. Ihre Tochter kannte nur sich! Der göttliche Funke warmer Liebe war in Gretes Herz nie zur Flamme geworden, und jetzt drohte selbst der Funke zu verlöschen. —
* * * * *
Als am kommenden Tage Tankred nach Erledigung seiner Vormittagsgeschäfte mit seiner Frau beim zweiten Frühstück saß, erkundigte er sich, ob die oben etwas von sich hätten hören lassen.
„Nein! Sie werden auch nicht zu Tisch kommen, wenn ich nicht hinaufgehe.
Ich kenne Mama —“ entgegnete Grete.
„Und Du willst hinaufgehen?“
„Nein, aber ich habe mir gedacht, daß ich, wenn sie heut mittag auf das Klingelzeichen nicht erscheinen, Peter nach oben schicke und fragen lasse, ob die Herrschaften nicht zu Tisch kommen wollen.“