Während dem Manne solche Gedanken über seine Frau aufstiegen, ward geklopft, und Peter erschien, um eine Meldung zu machen.

Das Gespräch ward dadurch unterbrochen, und jeder ging seinen Geschäften nach.

Am Mittag desselben Tages fuhr Herr von Streckwitz auf Falsterhof vor. Er hatte bei seinem letzten Besuch mit Theonie von einer kleinen in seinem Besitz befindlichen Marmorgruppe, Venus und Amor, gesprochen, und als sie ihr lebhaftes Interesse daran ausgedrückt, um die Erlaubnis gebeten, sie ihr verehren zu dürfen. Er suche, wie er bei der Überreichung hervorhob, nach einem Anlaß, sich ein wenig für die vielen Liebenswürdigkeiten erkenntlich zu zeigen, die er auf Falsterhof empfangen habe. Sie möge ihm die Bitte nicht abschlagen, ihr die Gruppe überreichen zu dürfen.

Nach verlegenem Dank und nach weiterem Wortaustausch sagte Theonie, die sich mit Streckwitz im Gartenzimmer niedergelassen:

„Es bleibt also wirklich bei Ihrer Absicht, daß Sie wieder eine Zeitlang auf Reisen gehen wollen? Wann verlassen Sie uns, Herr von Streckwitz, und wann dürfen wir Sie zurückerwarten?“

„Nein —“ entgegnete Streckwitz. „Der Verkauf von Klementinenhof hat sich zerschlagen; für den Fall der Veräußerung hätte ich mich ja zunächst anderweitig einrichten müssen und ging deshalb mit solchem Plan um. Ich bleibe nun aber den Winter über hier und will meine Bemühungen um einen Verkauf von Klementinenhof aus fortsetzen.“

„Immer wieder wundere ich mich,“ wandte Theonie ein, „daß Sie bei Ihren vielen Interessen das Land der Stadt vorziehen. Was bietet sich Ihnen hier in der Einsamkeit?“

„Lieben Sie nicht auch das Land, gnädige Frau? Schätzen Sie nicht auch die reine Luft, die einfachen, natürlichen Verhältnisse, den unmittelbaren Verkehr mit der Natur, die Ruhe und die Behaglichkeit? Anregung findet ein Mensch, der sich nicht nur mit seinem Ich beschäftigt, überall. Ich liebe, wie ich schon oft hervorhob, die Menschen in dieser Gegend, die hiesige Geselligkeit mutet mich an, und die Beschäftigung mit Stall, Acker und Vieh hat für mich etwas außerordentlich Anziehendes. Ich beneide die Städter nicht, ich bemitleide sie. Ihr Gehirn ist in einer fortwährenden Bewegung, sie müssen mitlaufen, wenn sie nicht am Wege liegen bleiben wollen, und zu einem rechten, ruhigen Lebensgenuß vermögen sie nicht zu gelangen. Wandern die Wohlhabenden unter ihnen nicht alle jährlich in die Berge, ans Meer und in kleine, abgelegene Ortschaften? Und dann giebt's ja auch heut zu tage keine Entfernungen mehr. Ich kann ja, wenn mich die Lust und Laune packt, in wenigen Stunden in Hamburg und Berlin sein.“

„Sie haben wohl noch keine Aussicht, etwas hier in der Gegend zu erwerben?“ knüpfte Theonie, die durch stumme Gebärden Streckwitz beigepflichtet hatte, an. „Hederich sprach jüngst von Wankendorf. Aber es liegt sehr nördlich, und der Preis soll hoch sein.“

Streckwitz schüttelte den Kopf. „Ich möchte am liebsten etwas hier in der nächsten Umgebung finden. Ich möchte auch Ihnen“ — Streckwitz legte einen nicht mißzuverstehenden Inhalt in den Ton seiner Worte — „nahe bleiben, gnädige Frau.“