Als Tankred den Weg nach Elsterhausen zurücknahm, beschäftigte ihn die eben gehabte Unterredung. Alles, alles war nun dahin! Nur die Möglichkeit, daß Theonie sterben, und daß er dadurch dermaleinst noch in den Besitz des Gutes gelangen konnte, blieb zurück. Aber sie konnte ja steinalt werden, und er konnte vor ihr dahingehen! Was war nicht alles denkbar!? — —
Und was sollte er Grete berichten? Daß ein unheilbares Zerwürfnis zwischen ihm und Theonie eingetreten sei?
Wodurch? Sie würde doch fragen. Und die Folgen? Enterbung! — Nein! Das brachte er so nicht über die Lippen. Er mußte sie täuschen, sie vorläufig noch einwiegen in Hoffnungen. Vielleicht fand sie dennoch einen Ausweg. Wenn sich Grete vor Theonie demütigte, wenn auch Hederichs Einfluß zu Hülfe genommen ward, ließ sich doch vielleicht noch alles zum guten lenken, noch ein Vergleich schließen.
Dieser Gedanke belebte vorübergehend wieder die Seele des Mannes, er setzte dem Gaul die Sporen in die Seiten und flog dahin. Ein offener Wagen kam ihm entgegen. Ein einzelner Mann, in einen Pelz gehüllt, saß darin; es war Herr von Streckwitz. Diese Begegnung gab Tankred den Gedanken ein, die Vermittlung des Bräutigams Theonies anzurufen.
Ja, damit wollte er beginnen. Er wollte Streckwitz aufsuchen, bevor Theonie ihn sprechen konnte. Unter solchen Gedanken erreichte er gegen neun Uhr Holzwerder.
Als er ins Wohngemach trat, kam ihm Grete nicht wie sonst entgegen, sie nickte ihm nur stumm zu, und ihre Augen waren verweint.
„Nun? Was ist? Du erschreckst mich,“ stieß Tankred heraus. „Sprich, was hat sich ereignet?“
Aber sie sagte nichts, sie ließ den Kopf sinken, und Thränen schossen aus ihren Augen.
„Ist wieder etwas mit denen oben?“ drängte Tankred. „Hat's eine Szene gegeben?“
Nun hub sie schluchzend an: