„Es ist alles aus. Mama hat mir vor kaum einer halben Stunde nach einem furchtbar erregten Auftritt erklärt, daß sie beide Holzwerder verlassen und nach Elsterhausen ziehen wollen.“

„Und die Veranlassung?“ fragte Tankred gespannt.

Nun erschien der Diener Peter und meldete, daß das Abendessen aufgetragen sei. Dadurch ward das Gespräch der Eheleute zeitweilig unterbrochen.

„Beruhige Dich! — beruhige Dich!“ tröstete Brecken nach des Dieners Fortgang seine Frau, faßte sie leicht um die Schultern und zog die kopfschüttelnd ihn Abwehrende mit sich ins Speisezimmer. „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es auf den Tisch kommt. Die oben werden schon von selbst wieder gut Wetter machen.“

„Nein, nein! Diesmal ist's Ernst!“ entgegnete Grete rauh, sich gleichsam trotzig gegen seine Auffassung auflehnend, und auch in der Folge sprach sie in einem Ton, der sich eben so sehr gegen ihn wendete, wie gegen ihre Mutter: „Du hättest nur hören sollen, was sie alles vorbrachte. Da verlor ich die Geduld, und ich war's, die ausrief: ‚So geht doch, wenn es Euch bei uns so wenig behagt. Ihr seid ja Eure eigenen Herren.‘ Das schlug dem Faß den Boden aus. Mama hat mir unglaubliche Dinge gesagt: Wir warteten auf ihren Tod; jeden Tag fühlten sie beide, wie lästig sie uns seien: von Liebe, Rücksicht, Pietät sei nicht die Rede. Wir fänden uns mit der Thatsache, daß sie auf der Welt seien, notgedrungen ab. — Am Ende, es ist doch meine Mutter,“ schloß Grete abermals schluchzend und schob die ihr von Tankred inzwischen vorgesetzten Speisen von sich.

„Aber was war es denn? Was hat Euch denn so maßlos aufgeregt?“ forschte Tankred in gemischten Empfindungen. Wenn ihm auch nichts lieber war, als die Lästigen von Holzwerder zu entfernen, so beunruhigte ihn doch sowohl seiner Frau bedrückte Stimmung als auch ihre allzu deutlich gegen ihn hervortretende Reizbarkeit.

„Ja, was war's? Die alte Geschichte! Sie behauptete, das Gänsesauer sei heute mittag nicht frisch gewesen. Papa habe sich ganz krank darnach gefühlt. Soweit dürfe doch meine Sparsamkeit nicht gehen, daß ich Verdorbenes auf den Tisch setzte. Mama hatte in der Küche gefragt, und die Köchin behauptet, sie habe mich aufmerksam gemacht, daß die Kruke schlecht verschlossen gewesen sei. Erst blieb ich ruhig, aber als sie mir dann wieder eine Rede über unsere, namentlich Deine Sparsamkeit hielt, die schon sprichwörtlich geworden sei, verließ mich bereits die Geduld. Zuletzt kam sie in anderer Weise auf Dich zu sprechen und — und —“

„Nun?“

„Sie erhob schwere Anschuldigungen gegen Dich. Ich sollte auf Dich einwirken, meinte sie. Und als sie mir den Zweck Deines Rittes nach Falsterhof herausgelockt, rief sie: Immer nur haben, haben, raffen! Nicht abwarten kann Dein Mann. Und verderben wird er seine Sache, an deren Gelingen doch auch wir interessiert sind, schon deshalb, weil wir dann weniger beschämt werden durch die Art und Weise, wie er allezeit die Monatszahlungen leistet. Es scheint beinah Absicht zu sein, daß bei jeder Zahlung etwas fehlt, und daß er es auch nachträglich zu berichtigen vergißt. Im letzten Monat seien es, behauptete sie, wieder zwölf Mark gewesen. Das müsse bei einem korrekten Mann doch nicht vorkommen. Ich sollte Dir natürlich von alledem nichts sagen, aber, aber — jetzt muß es doch heraus —“ schloß Grete immer in demselben Gemisch von Ärger über ihre Mutter und von halber Parteinahme für sie.

„Und ganz ohne jeglichen Anlaß von Deiner Seite kamen alle diese
Invektiven zum Vorschein?“