Nicht in der früheren, deutlich hervortretenden Übereinstimmung mit ihm, aber, wie es schien, doch ruhiger und versöhnlicher als beim Eingang des Gespräches, hörte dann Grete noch ferner ihrem Mann zu, und erst gegen Mitternacht begaben sich beide — Grete unter einem schwermütigen „Gute Nacht! Hoffentlich bringt die Zukunft Gutes. Es sieht augenblicklich alles so trübe aus! —“ zur Ruhe.

Als die Eheleute am folgenden Morgen beim Frühstück wieder zusammen saßen, erklärte aber Grete dennoch zu Tankreds äußerstem Verdruß, daß sie bei nochmaliger Überlegung zu dem Entschluß gelangt sei, von einem Besuch bei Theonie abzusehen. Es widerstrebe ihr, sich in diese Angelegenheit zu mischen, es werde ein falsches Licht auf sie werfen, es passe nicht für sie, ihr Gefühl lehne sich auch dagegen auf. Und gestern habe er drüben erklärt, sie sei nicht wohl, und heute erscheine sie kerngesund vor Theonie. Schon das werde einen unvorteilhaften Eindruck hervorrufen. Er müsse selbst die Angelegenheit zu ordnen suchen. Sie habe, wenn es mit den Eltern nicht so stände, wohl Neigung, mit ihrer Mutter die Sache zu besprechen, überhaupt wäre letztere geeigneter als sie, mit Theonie zu reden. Aber freilich, davon könne keine Rede sein, es sei ja alles mit den Eltern aus. —

Tankred wollte anfänglich Einwendungen erheben, seiner Frau ihre Auffassung ausreden, aber als sie ihrer Mutter Erwähnung that, blitzte es in ihm auf.

Ja, das war ein guter Gedanke! Wenn Frau von Tressen sich bewegen ließ, auf Theonie einzureden, kam sicher am ehesten etwas heraus. Und es war im Grunde richtig: für Grete paßte es nicht; den Gedanken hatte Furcht und Unruhe geboren. Er sprang deshalb empor und sagte:

„Weißt Du, Grete, das ist das Richtige. Und ich will auch gleich handeln. Wir wollen mal Peter sofort hinaufschicken und fragen lassen, ob ich Mama in einer wichtigen Sache sprechen könne. Ich äußere erst mein Bedauern, daß gestern wieder etwas zwischen Euch vorgefallen, und lege ihr dann die Sache dar. Es hilft nichts, wir müssen alle Minen springen lassen, und es ist keine Zeit zu verlieren. Wenn Theonie und Streckwitz sich bereits gesehen haben, ist nichts mehr zu machen. Wir müssen ihn und sie vorher abfangen.“

Nach wenigen Minuten erschien der nach oben gesandte Diener wieder. Frau von Tressen ließe sagen, sie sei nicht wohl, sie müsse bedauern, heute niemanden sehen zu können.

Das hatte Brecken denn doch nicht erwartet. Er sah, die oben nahmen jetzt die Dinge sehr ernst. Nach kurzem Besinnen aber reckte er sich und sagte:

„Ich gehe trotzdem hinauf, ich will doch sehen, ob sie mich abweist. Wenn nicht anders, trete ich ohne weiteres ein und nehme ihr die Sache über den Kopf.“

Grete äußerte kein Nein und kein Ja.

„Versuch's!“ warf sie tonlos hin, und Tankred, immer nur mit dieser einen Angelegenheit beschäftigt, übersah ihr Wesen, schob es auf die mit ihrem körperlichen Zustand zusammenhängende Unberechenbarkeit der Stimmung, von der er schon mehrfach Proben gehabt, und eilte hinauf.