Frau Höppner empfing ihn, als er nach scharfem Ritt und Einstellung des Rappen im Krug das Pastorenhaus betrat, auf dem Flur und erzählte ihm sogleich sehr besorgt, daß ihr Mann wieder einmal das Bett hüten müsse. Sie erwarte den Arzt und sehe schon mit Ungeduld nach ihm aus. Während sie ihr Gespräch in etwas gezwungener Weise im Wohnzimmer fortsetzten, schon deshalb, weil Tankred sah, daß die Gelegenheit, über seine Sache zu reden, durchaus keine günstige war, meldete die Magd den Doktor, der sogleich ins Zimmer trat und berichtete, daß er bereits bei dem nachts vorher erkrankten Herrn von Streckwitz gewesen sei.
Tankred stellte sich völlig unwissend und bat den Arzt, Näheres mitzuteilen.
Es könne eine sehr langwierige Sache werden, äußerte der Doktor Ernst, ein etwas kurz und bündig sprechender, auch wegen seiner Formlosigkeit vielfach angegriffener, aber ungewöhnlich zuverlässiger Mann. Es seien leider die Anzeichen einer Kopfrose vorhanden; Herr von Streckwitz habe in der Nacht bereits starkes Fieber gehabt.
Die Pastorin hörte voll Teilnahme zu, auch regte sich ein tiefes Mitleid für Theonie.
Wenn das Befinden ihres Mannes sie nicht abhalte, werde sie gleich am
Nachmittag nach Falsterhof fahren, erklärte sie.
Der Doktor war schon im Begriff, das Zimmer zu verlassen, wandte sich bei diesen Worten aber noch einmal zurück und sagte: „Es wäre allerdings sehr wünschenswert, daß Frau Cromwell zuverlässige Mitteilung in schonender Weise erhielte. Herr von Streckwitz hat ihr vorläufig nur sagen lassen, daß er heute verhindert sei, sie zu besuchen.“
„So, so!“ stieß die Pastorin lebhaft heraus. „Ja, dann muß ich doch wohl sehen, ob ich nicht — Aber halt! Würden Sie es nicht vielleicht übernehmen, Ihre Kousine vorzubereiten, Herr von Brecken?“
Hier fand sich ein Ausweg! Brecken war in den Augen der Anwesenden als einziger Verwandter grade die richtige Persönlichkeit. Der Doktor stimmte auch zu und sah, bereits in der Thür gehend, Tankred ermunternd an.
„Ja natürlich — gewiß — ich werde alles besorgen!“ gab Tankred, dem plötzlich ein Gedanke durch den Kopf schoß, bereitwillig zurück. „Und was meinen Sie, Herr Doktor, wäre es wünschenswert, daß meine Kousine etwa zur Pflege hinüberkäme?“
„Nein — ich denke — wir wollen das noch abwarten. Ihre Frau Kousine würde, abgesehen von naheliegenden Bedenken, wohl dadurch grade beunruhigt werden. Nein! Ich bitte, nur zu sagen, daß etwas Erkältung und Fieber vorhanden sei. Sie werde täglich Nachricht erhalten.“ —