„Sprachst Du niemanden?“

„Ich verstehe Dich nicht —“

Tankred fühlte, daß seine Frau auswich. Man hatte wieder auf sie eingewirkt, und er wollte, sie sollte sprechen. In seiner reizbaren Stimmung kehrte sich sein Zorn gegen sie.

„Hederich war hier! Er sagte es mir doch —“ setzte er, seine
Voraussetzung als Thatsache hinstellend, an.

Die Frau erhob das Haupt und sah ihren Mann finster an.

„Er sagte es Dir? Du sprichst die Unwahrheit, Tankred! Oft thust Du das.“

„Oft thue ich das? Was soll das heißen? Was hast Du überhaupt? Du bist so vorwurfsvoll-sentimental. Wer hat Dich beeinflußt? Sprich!“

„Ach Tankred —“ ging's aus dem Munde der Frau. Es klang wie eine tiefe, schmerzliche Klage. Wieder einmal schien sich ihr Herz zu regen, das Herz, das so selten sein Dasein verriet. Und Klugheit und ein mit einer plötzlichen, unerklärlichen Unruhe vermischter Gefühlsdrang mahnte den Mann, sein Weib in die Arme zu nehmen und zärtlich und versöhnend auf sie einzusprechen. Aber er vermochte einmal nicht, seine Heftigkeit zu zügeln. So stampfte er denn statt dessen mit dem Fuß und wiederholte ungeduldig, drohend und gebieterisch:

„Ach was! Antworte, wenn ich Dich frage! Wer hat Dich gegen mich aufgehetzt? War es der alte Schleicher? Hat er wieder mit denen oben intriguiert? — Nun? Wirst Du antworten?“

Aber unwillkürlich trat Tankred zurück. Statt sich zu fügen, richtete
Grete plötzlich ihre Gestalt empor, und mit einem stolzen Blick seine
Gestalt musternd, rief sie: