Denn bei dem, was einmal solid und reich ausgestattet, wo nur der Staub
zu entfernen war, da trachtete der Mann ängstlich, es zu erhalten. Der
Geiz äußert sich eben auf verschiedene Weisen; oft sieht er hundert
Dinge, oft ist er blind.
„Ich komme,“ hub Brix an, „um über das unseren gemeinsamen Freunden von Ihnen zugesandte Schreiben zu sprechen. Ich weiß nicht, Herr von Brecken, worauf sich Ihre Sinnesänderung stützt, aber ich weiß, daß Ihre Schwiegereltern durch Sie bereits in die allerpeinlichste Lage versetzt worden sind. Noch einige Wochen weiter, und sie müssen darben, wenn sie nicht ihre Schmuck- und Silbersachen verkaufen sollen. Ich richte einen Appell an Ihre Einsicht und bitte Sie, den alten Status freiwillig wieder eintreten zu lassen.“
Brix hielt inne und erwartete auf diese kurzen, die Sachlage darlegenden
Worte eine Erwiderung.
Statt deren erhob sich Brecken, zog aus seinem Sekretär einige
Aktenstücke hervor und breitete sie auf dem Tisch aus.
„Hier ist das Abkommen, das meine verstorbene Frau mit ihren Eltern geschlossen hat, und hier das Gutachten eines Hamburger Advokaten, dem ich die Sache vorgelegt habe. Dem letzteren zufolge besitzen Tressens keine, auch nicht die geringsten Rechte auf eine Rente. Wollen Sie gefälligst durchlesen, was Ihr Kollege hier niedergeschrieben hat?“
Nach diesen Worten sah Brecken den Justizrat mit kaltem Blick und mit einem Ausdruck an, als stehe hier eben nur eine rein geschäftlich zu behandelnde Angelegenheit in Frage.
„Meine Ansicht über die Berechtigung Ihrer Schwiegereltern, die Rente von Ihnen zu fordern, kann selbst eine Entscheidung des höchsten Gerichtshofes nicht ändern, Herr von Brecken,“ entgegnete mit kühler Abwehr der Justizrat. „Es ist daher wertlos, daß ich die Auffassung meines Kollegen in dieser Sache studiere. Ich komme ja auch nicht deshalb, sondern um an Ihr menschliches und verwandtschaftliches Gefühl zu appellieren. Ich möchte einen Vergleich anstreben, durch den das wahrlich für die Außenwelt nicht erhebende Schauspiel eines Prozesses zwischen Ihnen und den Eltern Ihrer verdorbenen Frau Gemahlin vermieden wird. Wie nun, wenn Sie Ihre Sache vor den Gerichten verlieren? Sie haben dann eine Unsumme von Kosten noch drauf zu zahlen! Und es wird doch sicher einen höchst peinlichen Eindruck hervorrufen, wenn man erfährt, daß Sie Ihren Schwiegereltern die notwendigsten Subsidien verweigert, ja, sie gezwungen haben, die Mildthätigkeit Fremder in Anspruch zu nehmen.“
Brecken hatte mit unbeweglichem Gesicht zugehört. Nachdem der Justizrat aber geendet, stieß er, alle dessen Worte umgehend, heraus:
„Es ist ja nicht zu erschwingen, monatlich eine solche Summe zu zahlen! Warum können die Leute sich nicht einschränken? Mit der Hälfte werden sie auch leben können!“
Ah! Das war's also! Dem Justizrat wurde alles klar. Der Schurke hatte die Sache lediglich aus Geiz eingefädelt. Er wollte durch dieses Vorgehen die Hälfte sparen, und wenn man darauf nicht einging, dann — nun dann mochte es auf einen Prozeß ankommen!