Da Höppner schon glücklich war, wenn er überhaupt nur rauchen konnte, von der Güte einer Zigarre aber nichts verstand, so hatte ihm Brecken aus der sogenannten ‚Leutekiste‘ angeboten; sich selbst aber hatte er eine andere und bessere angezündet, nachdem er den Gast vorher mit Feuer bedient.
Höppner begann mit der Erklärung, daß er in der Nähe zu thun gehabt und die Gelegenheit ergriffen habe, Herrn von Brecken einmal Guten Tag zu sagen. Er fügte hinzu, daß auch seine Frau ihn ermuntert habe, in Holzwerder vorzugucken, und Brecken war nach dieser beiläufig eingestreuten Bemerkung sicher überzeugt, daß die Frau den Mann abgesandt habe, um ihm wegen Tressens ins Gewissen zu reden. Höppner ging aber doch nicht gleich aufs Ziel los, sondern leitete das Gespräch durch die Frage ein, ob Herr von Brecken bereits das Neueste vom Neuen gehört habe.
Nein, er sei durch sein zurückgezogenes Leben mit dem, was sich draußen
ereigne, wenig bekannt, erwiderte Brecken, gab aber seinem unverhohlenen
Erstaunen Ausdruck, als nun Höppner ihm die Verlobung Hederichs mit
Carin mitteilte.
Dann freilich erging er sich in spöttischen Bemerkungen und äußerte,
ohne auf Höppners Zartgefühl irgend welche Rücksicht zu nehmen, diese
Verlobung komme ihm vor, als verbände sich ein Kameel mit einer
Bachstelze.
„O, o — o —“ machte Höppner abwehrend und strich mit dem Mittelfinger durch den ihm unter dem Kinn sitzenden Bart, fand aber dann den Übergang zu der Angelegenheit, die ihn hergeführt hatte. Er sagte:
„Da wir nun einmal zusammensitzen und plaudern, Herr von Brecken, möchte ich Sie bitten, mich einmal einen Augenblick wegen Ihrer verehrten Schwiegereltern anzuhören. Wie ich zu meinem großen Leidwesen gehört habe, sind schwere Differenzen zwischen Ihnen ausgebrochen. Die Schrift mahnt uns Menschen —“
Aber weder von dem, was in der Schrift stand, noch von anderem begehrte Tankred von Brecken zu hören; er unterbrach Pastor Höppner jäh und sagte, seine starkknochige Hand auf dessen Rechte legend:
„Es hilft da kein Intervenieren, verehrter Herr Pastor. Schon war Justizrat Brix bei mir, um einen Vergleich anzubahnen, aber da meine Schwiegereltern einen solchen dahin auffassen, daß sie nach wie vor auf der ganzen Rente bestehen, so ist eben nichts zu machen. Natürlich werden da wieder die ungeheuerlichsten Gerüchte ausgesprengt; aber das Zutreffende ist allein, daß ich einfach nicht so viel zahlen kann, weil die übrigen Lasten, die auf dem Gute liegen, zu groß sind.“
„So, so? In der That? — Das wäre ja etwas ganz anderes, als was uns berichtet ist. Frau von Tressen hat meiner Frau —“
„Ja, das ist eben das Unglück, verehrter Herr Pastor, daß meine Schwiegermutter eine so ausgiebige Phantasie besitzt. Wie es ihr paßt, so stellt sie es dar. Sie weiß sehr wohl, um was es sich handelt, aber —“