Nach diesen Worten verließ die unerschrockene Frau das Gemach, und bleich, zitternd und verzehrt von Wut stand der Gemaßregelte da.
Noch einmal aber nahm der Pastor das Wort und hub an:
„Lieber Herr von Brecken, es giebt für jeden, der fehlte, bei unserm
Herrn Jesus Christus —“
Aber weiter kam er nicht.
„Ach was! Schweigen Sie doch mit Ihrem — Ihrem —“ setzte Brecken, der vor
Zorn jede Besinnung verloren hatte, an und fuhr gegen Höppner auf.
Er sah in des Pastors Worten einen neuen Angriff in anderer Form und wollte und konnte all das Geschwätz und all die ‚Salbaderei‘ nicht mehr ertragen. Er ergriff deshalb seinen Hut und sagte mit wuterstickter Stimme:
„Sie begreifen wohl, daß ich nach einer solchen maßlosen Invektive es nicht erwarten kann, das Haus zu verlassen, das sich ein christliches und versöhnendes nennt, aber nichts anderes ist, als ein nichtiger Bau scheinheiliger Überhebung! — Nein, nein, ich höre nichts mehr, und nie werden Sie mich wieder unter Ihrem Dache sehen!“
Nach diesen trotz seiner maßlosen Leidenschaft berechnenden, den Pastor sicher gerade im tiefsten Herzen verwundenden Worten stürmte Tankred auf den Flur und aus dem Hause.
Brecken nahm nicht gleich den Weg ins Wirtshaus zurück, in das er seinen Rappen eingestellt hatte, sondern beschritt, um der wühlenden Gedanken in seinem Innern besser Herr zu werden, zunächst einen einsamen Nebenpfad. Er mußte allein sein; jetzt konnte er keinen Menschen sehen; er bedurfte der Sammlung, um zu einem vernünftigen Entschluß zu gelangen.
Einmal schoß es ihm durch den Sinn, sich direkt nach Holzwerder zu begeben, vor seine Schwiegereltern hinzutreten und seine Sache selbst zu führen. Aber das Zwecklose dieses Schrittes leuchtete ihm eben so sehr ein, wie die Nichtigkeit eines nochmaligen Versuchs, Theonies Verzeihung zu erringen. Nein, einmal hatte alles in der Welt ein Ende, und es war nun auch für ihn gekommen, aber weit schlimmer, als er es sich je vorgestellt hatte. Noch eine Woche weiter, und er besaß keine Mittel mehr zum Leben. Er mußte dann schon Anspruch auf Diäten erheben, aber da er ohne Wohnung war, würden sie kaum zu seinem Unterhalt ausreichen. Wieder ergriff den Mann eine an Raserei grenzende Wut. Und zu der Wut gesellte sich die Rachsucht und in erhöhtem Maße die Gier nach Besitz und Geld.