Welch ein Augenblick, wenn er Eigentümer von Falsterhof sein würde, wenn er mit stolzer, von Machtfülle getragener Geringschätzung herabblicken könnte auf das ‚Gesindel‘, das ihn hatte vernichten wollen. Er weidete sich in Gedanken an ihrem Ärger und ihrer grenzenlosen Enttäuschung, daß es ihnen nun doch nicht gelungen war, ihn in den Staub zu drücken. Im Gegenteil! Ihnen allen zum Trotz blieb er dann doch in ihrer nächsten Nähe, und von genügenden Mitteln unterstützt, konnte er einen vorläufig verlorenen Prozeß noch einmal wieder aufnehmen.

Und fest entschlossen war er nun, dem Zaudern ein Ende zu machen. Die Verhältnisse trieben ihn dazu. Er wollte Theonie beseitigen. Während er dahinschritt, bald rasch, bald langsam, je nach den Regungen seines Innern, waren seine Gedanken ausschließlich mit diesem Plan beschäftigt. Abermals wollte er ausstreuen, daß er sich nach dem Süden begebe, bei seinem Anwalt wollte er, um später sein Alibi nachweisen zu können, seine Adresse an der Riviera niederlegen.

Und dann galt's noch einmal denselben Gang zu unternehmen wie damals, aber fest und ohne Schwanken. Und nach geschehener That wollte er dann direkt nach Italien reisen und sich von dort zurückrufen lassen — als Erbe von Falsterhof.

Nach solcher Auseinandersetzung mit sich selbst und Klarstellung dessen, was er wollte, schlug Brecken wieder die Richtung nach dem Breckendorfer Wirtshaus ein und erreichte es nach einer halben Stunde.

In der Gaststube fand er den Besitzer allein hinter dem Schenktisch; das paßte ihm eben; er bestellte ein Glas heißen Grog und knüpfte ein Gespräch an. Im Verlauf dessen fragte er den Wirt, seine lange Abwesenheit vorschützend, über Falsterhof aus; wie es seiner Kousine, die er, so warf er hin, diesmal nicht aufsuchen könne, gehe, und ob der Wirt etwas von ihr gehört habe.

„Ja, die gnädige Frau will in diesen Tagen, so erzählte der alte Frege, eine Zeit lang verreisen. Nach Dresden und Berlin. Ich glaube morgen früh gehen sie schon ab. — Nicht wahr, Anna?“ rief der Mann seiner eben eintretenden Frau zu, als Brecken, seine Erregung über die Mitteilung geschickt unterdrückend, Zweifel hinwarf. „Sagte Frege nicht, daß die Herrschaft von Falsterhof morgen früh abreisen wollte?“

„Nein, übermorgen mittag,“ berichtigte die Wirtin, Brecken ehrerbietig begrüßend. „So sagte der Pächter Harms gestern abend.“

Brecken fiel ein Stein vom Herzen. Wenn keine Spanne Zeit zwischen seinem Hiersein und seiner Abreise lag, so fiel leicht der Verdacht des Mordes auf ihn. Ohnehin war die Zeit schon kurz bemessen.

Mit schlecht verhehlter Hast ließ er sich sein Pferd wieder vorführen, bezahlte die Zeche und warf hin, daß er noch heut seine Reise nach Italien antreten wolle. Als er schon in der Thür stand, wagte der Wirt nach dem Stande der Prozeßangelegenheit zu fragen, er gab sich den Anschein, als leite ihn nicht Neugierde, sondern Interesse für Brecken.

„Erst hatte ich die Oberhand,“ antwortete Tankred anscheinend gelassen, „nun haben die sie zeitweilig. Das Gericht wird entscheiden! Ich warte die Sache mit Ruhe ab, da der Ausgang mir nicht zweifelhaft ist. Zunächst will ich noch mal etwas für meine Gesundheit thun. Adieu, lieber Krüger! Adieu, Frau Krüger! Auf Wiedersehen!“