Damit trabte er davon, und der Wirt, getäuscht durch seine sorglose Miene, sagte, langsam neben seiner Frau ins Haus zurücktretend und sich an den warmen Ofen stellend:

„He schien ja ganz vergnögt to sin. Am Enn steiht doch de Sak för de
Herrschaften up Holtwerder nich so günstig, as de glöwen. — Schall mi
Wunner nehm'n, woans dat aflöst! Na, ick mug nich mit em in Striet
kamm'n. He hett wat int Oog, dat man dat Gruseln krieg'n kann.“

* * * * *

Am Vormittag desselben Tages traf Hederich in Holzwerder ein. Er hatte die Tasche voll Neuigkeiten und konnte es nicht erwarten, sie auszukramen. Schon an seinen leuchtenden Augen erkannten Tressens, daß er Günstiges zu melden habe, und er platzte denn auch gleich damit heraus.

Er wußte, daß Brecken bei Brix gewesen, und daß dieser jede Intervention eben so entschieden abgelehnt hatte wie Frau Höppner. Jedes Wort, das letztere Tankred entgegengeschleudert, hatte er in der Erinnerung und gab es — ein Labsal für sich selbst — wieder. Endlich wußte er auch, daß Brecken später noch im Krug gewesen war und dort geäußert hatte, daß er sich gleich wieder nach dem Süden begeben wolle.

„Was soll er denn auch hier thun?“ schloß Hederich eben so überzeugt wie vergnügt und rieb sich die Hände. „Drum und dran — es war ein großartiger Gedanke von Ihnen, gnädige Frau, den Spieß umzukehren und hier einzuziehen. Wir sehen es ja jetzt. Er ist völlig entwaffnet und bittet um gut Wetter. Aber nicht wahr, Sie lassen sich auf nichts, auf gar nichts ein? Jetzt nur nicht noch einmal weich werden, gnädige Frau!“

„Sie kennen mich nicht, lieber Hederich, wenn Sie glauben, ich könnte gutwillig diesem Menschen jemals wieder die Hand bieten. Übrigens möchte ich Theonie gleich benachrichtigen. Sie will reisen, vorzugsweise um ihrem Vetter unter allen Umständen aus dem Wege zu gehen. Vielleicht ändert sie nun ihren Entschluß. Wie wär's, lieber Hederich, wenn Sie auf der Rücktour einen Augenblick bei ihr vorsprächen und ihr Mitteilung machten? Die Neuigkeiten würden sie auch um unseretwillen angenehm berühren, ich weiß es!“

Diesem Ersuchen stimmte Hederich bereitwillig zu; nach eingenommenem
Frühstück nahm er von den Herrschaften Abschied und ritt nach
Falsterhof.

Wie immer öffnete stumm, ernst und gelassen der alte Frege die Thür, wie immer bellte in dem dumpfhallenden Flur der bald sich wieder freundlich anschmiegende Hund, und wie immer erschien Theonie mit ihren ruhigen Bewegungen und ihrem ernsten Antlitz und reichte Hederich die Hand. Es drängte sich dem Besucher unwillkürlich die Frage auf, wie die Menschen es in ihrer abgeschlossenen Einsamkeit aushielten, womit sie den Tag ausfüllten, wie sie Herz und Sinne nährten. Alles war so freudeleer, so eintönig, düster und bedrückend. —

Hederichs Bericht nahm Theonie mit großer Spannung und sichtlicher Befriedigung entgegen. Sie hatte sich um Tressens sehr gesorgt, starke Konflikte, gar Gewaltakte erwartet, und nun war alles weit über die günstigste Voraussetzung verlaufen. Sie wurde auch wirklich schwankend, ob sie reisen solle, und äußerte sich in diesem Sinne gegen Hederich.